Lu Düsenbär

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Dienstag, 9. Juni 2015

Auch Flugbegleiter müssen zur Schule


Liebe Luisa,
heute ist ein wichtiger Tag. Wusstest du, dass Flugbegleiter jedes Jahr ganz viele Tests machen müssen, damit sie überhaupt Fliegen dürfen? 

Jetzt bin ich schon 3 Monate mit ihnen unterwegs, aber das wusste ich nicht. Jedes Jahr muss jeder aktive Flugbegleiter mehrfach ins Schulungszentrum und dort seine Lizenzen erneuern. 

Wenn man Vollzeit fliegt, dann hat man max. 3 verschiedene Flugzeugmuster für die man sozusagen einen Führerschein bzw. Lizenz machen muss. Die ist ganz wichtig und darf nicht verfallen. Sie muss jedes Jahr mit einem Test aufgefrischt werden. Da wird dann in einem schriftlichen Test die Theorie für das Muster geprüft und in einem praktischen Test viele andere Dinge. Ich habe immer gedacht ein Flugbegleiter darf in jedem Flugzeug arbeiten. 

Diese Tests sind vom Luftfahrtbundesamt vorgeschrieben. Wenn man sie nicht besteht, dann darf man dieses Muster erstmal nicht mehr fliegen und im schlimmsten Fall kann man sogar seinen Job verlieren. So streng und wichtig ist das. 
Die Flugbegleiter müssen also jedes Jahr die Lizenzen für ihre Flugzeugmuster erneuern und dann noch viele anderen Lizenzen. Erste-Hilfe-Lizenz um jemanden, dem es auf einem Flug nicht gut geht helfen zu können. Fire Fighting, um ein Feuer in kürzester Zeit unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Dangerous Goods, das sind gefährliche Güter. Wenn z.B, ein Akku von einem Smartphone oder Laptop brennt oder eine gefährliche Flüssigkeit ausläuft. Medizinischer Check-Up. Ja, sie müssen jedes Jahr zum Fliegerarzt und werden dort ganz genau untersucht, ob sie fit genug sind, diesen Job machen zu können. Dafür muss man aber auch fit sein.

Immer wieder wird das geübt und getestet, damit man im Falle eines Falles schnell und richtig reagiert. Im Flugzeug zählt jede Sekunde. Die Flugbegleiter sind nämlich eigentlich für die Sicherheit in einem Flugzeug da. 

Sie müssen ein vollbesetztes Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden über die Hälfte der verfügbaren Notausgänge evakuieren können. Sie müssen Feuer löschen können, Erste Hilfe leisten, Streits schlichten, Gefahrgüter richtig behandeln und noch so viel mehr. Puh, mir raucht ganz schön der Kopf, bei so viel Information.
 
Da muss jeder Handgriff und jedes Kommando sitzen. Sie müssen genau wissen, wo die verschiedenen Teile die zur Notausrüstung gehören in einem Flugzeug verstaut sind. Wie die Kommandos und die Handhabung der Türen im Normal- und im Notfall sind. Puhhh, ich dachte immer das wäre ein easy Job, von wegen. 

Sie haben dafür verschiedene dicke Ordner, wo alles drinsteht und womit sie für die Prüfungen lernen. Jedes Jahr ändern sich viele Dinge in den Unterlagen und das müssen sie alles wissen. 
Heute fahren wir nach Frankfurt. Wir fahren mit dem ICE hin, weil meine Düsenmutti nicht in Frankfurt wohnt. 

Ui, der ist ja fast so schnell, wie ein Flugzeug beim Starten. Wir sind viel schneller als die Autos auf der Autobahn. Cool. Über 300 km/h. Da hat man Druck auf den Ohren, wie im Flugzeug. 

Diesmal geht es allerdings nicht auf die Basis, wo ich sonst immer bin. Wir fahren mit dem Bus zum LFTC. Das ist das Lufthansa Trainings Center, wo man das alles lernt und wo geprüft wird. Wow, ein riesiges Gebäude mit ganz vielen Klassenräumen und Hallen.

Hier werden auch die neuen Flugbegleiter ausgebildet. 

Es gibt Räume da stehen nachgebaute Flugzeuge drin und dort kann man die Servicesachen trainieren, Klassenräume wo alles gelernt wird, Spezialräume wo man z.B. Feuerlöschen üben muss, Computerräume wo ganz viele Computer drin sind an denen ebenfalls gelernt wird und dann gibt es noch die Mockup Halle. 

So, jetzt aber erst ein Mal den richtigen Raum finden. Nur nicht zu spät kommen!

Zuerst müssen wir in einem Vorraum warten, dort kommt uns dann der Trainer abholen und dann geht es so richtig los. Ich bin so aufgeregt. 

Ui, das ist Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie gesehen. Hier sind alle Flugzeugtypen als Simulator nachgebaut. Das ist eine riesige Halle hier. Boah!

Von innen sehen sie aus wie ein richtiges Flugzeug und der Trainer kann über den Computer die verschiedensten Situationen nachstellen. Also z.B. Feuer im Flugzeug, eine Notlandung an Land oder Wasser und vieles mehr. Die Fenster sind Monitore, die dann bildhaft die Situation darstellen. Z.B. Feuer vor dem Flugzeug oder Wasser.
  
Der Trainer bestimmt, wer an welcher Flugzeugtür sitzt und dann geht der Test los. Jeder muss jede Türe immer beherrschen, obwohl es da Unterschiede gibt, wie man an bestimmten Türen reagieren muss. Das muss man alles wissen und unter Stress auch richtig machen. Wahnsinnig anstrengend. Bin ich froh, dass ich nicht getestet werde.

Der Simulator reagiert dann fast so, wie in echt. Es rumpelt, wackelt und kracht, fast wie in der Achterbahn. Die Kabine ist verraucht und dunkel usw. Ganz schön unheimlich und dann müssen die Flugbegleiter immer richtig reagieren und das Richtige tun. 

Bei einer Evakuierung ist es dann ganz schön laut! Es werden Kommandos gebrüllt und man muss so schnell wie möglich das Flugzeug verlassen. Da durfte ich sogar einmal auf der Notrutsche rutschen. Auf dem Spielplatz mach mir das aber mehr Spaß. 
Was für ein aufregender Tag! Soviel neue Sachen, die ich gelernt und gesehen habe.  Da können die lieben und immer lächelnden Flugbegleiter auch mal ganz anders sein. Da ist Schluss mit lustig. Das muss aber so sein, damit alle gerettet werden können. Da herrscht ein Ton, wie in der Kaserne. Unglaublich beeindruckend. 

Ich wusste überhaupt nicht, dass ein Flugbegleiter so viel können muss. Auf manchen Flügen habe ich ja schon mal mitbekommen, wenn es jemanden nicht gut ging, dass sie Erste Hilfe ausüben mussten. Dass da aber noch so viele andere Dinge sind wusste ich wirklich nicht.

Sie müssen auch ganz schnell handeln, wenn an Bord ein Feuer ausbricht. Das ist ganz gefährlich. Man kann ja nicht mal eben landen. 

Da müssen sie dann sehr schnell und richtig handeln. Sehr aufregend. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wirklich niemand an Bord raucht. Das gibt richtig Ärger für denjenigen. Es ist zwar verboten, aber leider kommt es manchmal noch vor. 

Es werden auch noch andere Aufgaben im praktischen Test geübt und abgefragt. Irgendwann geht es dann zurück in den Lehrsaal. Da werden dann auch noch Dinge besprochen die sich evtl. geändert habe in dem Jahr und am Ende wird ein Test geschrieben. Und wenn man alles bestanden hat, dann hat man es wieder die Lizenz für ein Jahr.

Das ganze macht man dann ein paarmal im Jahr. Man muss auch immer regelmäßig auf dem Flugzeugtyp z.B. auf der 747 fliegen. Wenn man zu lange ein Muster nicht geflogen ist, verfällt die Lizenz auch. Puh, ganz schön viele Test und Dinge wo man drauf achten muss. 
Ich sehe den Beruf jetzt mit ganz anderen Augen. Sie müssen da oben in der Luft so viele verschiedene Jobs auf einmal können. Man kann ja nicht mal schnell jemanden anrufen und zur Hilfe holen. Da drüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Sie sind Feuerwehrmann, Krankenschwester, Koch, Servicekraft, Psychologe, Streitschlichter, Babysitter, Touristenführer und viele mehr. Gar nicht so ohne!


Jetzt fahren wir erst mal wieder zurück. Ich bin fix und fertig. Das ist ja fast noch anstrengender und aufregender als ein Langstreckenflug. 



Liebe Grüße vom sehr nachdenklichen
Lu
©Anke Mössner 2015



Donnerstag, 12. Februar 2015

Mein erster Flug - Ich bin der König der Welt!

                                                                                                        12. Februar 2015



Luisa, Luisa!

Ich fliege nach Chicago! Chicago, kannst du dir das vorstellen. Ich habe gerade mal nachgeschaut wo das ist. Chicago ist in den Vereinigten Staaten von Amerika und liegt im Bundesstaat Illinois. Wow, ich werde fast 7000 km von zu Hause fort sein. 

Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich dachte immer Oma und Opa wohnen weit weg, aber Papa sagt, das wären nur 50 km. Ich fliege heute fast 7000 km mit einem riesen großen Flugzeug. Die Düsenmutti hat gesagt es ist ein Jumbo. 

Nein, nicht ganz richtig. Sie hat gesagt es ist eine Boing 747-800, das schönste Flugzeug am Himmel. Man nennt es auch die Königen der Lüfte. Ich kann gar nicht Abwarten bis wir gleich los gehen. 

Wusstest du, dass in den Jumbo mit dem ich heute fliege 364 Passagiere passen?! Bei manchen Fluggesellschaften passen sogar 467 Passagiere rein. Die Düsenmutti sagt, dass das dann aber sehr eng ist. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Bei uns in der Grundschule sind wir 250 Kinder und das finde ich in der Pause schon immer unglaublich viele. 

In den Jumbo passen noch viel mehr rein, plus die Crew. So nennt man die Mitarbeiter, die sich während des Fluges um einen kümmern. Ich weiß überhaupt nicht, wie das gehen soll. Das ist alles so aufregend hier. Ein bisschen mulmig ist mir aber jetzt schon. Ich bin ja noch nie geflogen. Die Düsenmutti hat gesagt, ich brauche mir keine Sorgen zu machen. Es kann nicht passieren. 

Wenn wir Starten und während des Fluges kann es manchmal ein bisschen Wackeln. Das ist aber nicht schlimm. Sie sagt, das ist, wie mit einem Auto über Kopfsteinpflaster fahren. Das ruckelt und holpert ja auch, aber passieren tut nix. Ich glaube ihr das. Wir gehen jetzt zum Flugzeug.

Oh Luisa, schau nur. Sie hatte recht. Das Flugzeug ist wunderschön und riesig. 

Es ist länger als breit , ich hätte nicht gedacht, das es Fliegen kann. 

Die 747-800 ist 76,3 m lang, aber nur 65,5 m breit. 

Wenn sie Abhebt ist sie fast 450 Tonnen schwer. Wahnsinn. Kannst du dir das vorstellen? Ich wiege gerade mal 30 Gramm und kann nicht Fliegen. Wie machen die das nur? Das ist mir wirklich ein Rätsel. 

Ha, ha, guck mal. Sie hat aus Quatsch gesagt, ich muss hier drin Reisen. Das stimmt aber nicht, da kommt nur das Handgepäck rein.

Ich habe einen riesig großen Sessel. Den kann man verstellen und ich habe sogar einen eigenen Fernseher mit ganz vielen Kinderfilmen. 


Heute darf ich mit ihr in der Business Class fliegen. Da sind die Sitze größer. Guck mal, wieviel Platz ich hier habe.  Diese Sitzplätze sind allerdings auch teurer, wenn man sie bucht. Es gibt nicht so viele davon im Flugzeug. 

Man muss sich immer gut Anschnallen. So wie beim Autofahren. Am besten lässt man den Gurt, während des ganzen Fluges geschlossen, das ist sicherer sagt sie. Falls das Flugzeug mal über das Wolkenkopfsteinpflaster fliegt. Wenn es so wackelt im Flieger, dann nennt man das Turbulenzen.

Gleich geht es los, wir Starten. Uiii, ich werde ganz doll in meinen Sitz gedrückt, so schnell rollt das Flugzeug jetzt. Das macht Spaß! Und schon heben wir ab. Unten war ganz schlechtes Wetter. Nur Wolken und Regen. Man konnte kaum etwas sehen. 

Wir steigen immer höher und immer höher und alles wird klitzeklein. Wenn ich aus dem Fenster gucke, dann wird alles weiß. Die Düsenmutti sagt, wir fliegen jetzt durch die Wolken, die wir vom Boden aus gesehen haben. Das wackelt ein bisschen. Lustig. 


Oh mein Gott, Luisa! Wir sind jetzt oberhalb der Wolken. Der Himmel ist so unglaublich blau und die Wolken unter uns sehen aus wie ganz weicher Schnee. Wunderschön. Ich wünschte, du könntest das sehen. Das kann ich dir kaum beschreiben. Das ist wie Vanilleeis mit heißen Kirschen. Ein Traum. 

Die anderen Flugzeuge schreiben weiße Streifen in den Himmel. Es sieht so schön aus! So etwas habe ich noch nie gesehen. Hier oben ist der Himmel viel, viel blauer, als am Boden. Soooo, schön. 

Die Düsenmutti sagt, dass das eines der schönen Dinge, dass sie am Fliegen so liebt. 

Egal wie das Wetter am Boden ist, hier oben scheint immer die Sonne oder man sieht die Sterne, den Mond oder die wundervollsten Sonnenunter- oder Sonnenaufgänge. Da hat sie recht. Ich könnte stundenlang aus dem Fenster schauen. Manchmal kommen Wolkenlücken und man kann bis zum Boden gucken. Das sieht aus wie Spielzeug, alles so klein. 

Gleich bekommen wir zu Essen und zu Trinken. Die Männer und Frauen, die in der Kabine arbeiten heißen Flugbegleiter und der Chef von den Flugbegleitern auf dem Flug heißt Purser. 

Die Flugbegleiter kümmern sich um alles, so wie Mama und Papa. Sie passen auf, dass nichts passiert, sie bringen Essen und Trinken, sie räumen auf, sie kümmern sich um dich, wenn du Angst hast oder krank bist. Sie sind alle sehr nett. Ich fühle mich wie zu Hause, rund herum wohl. 

Vorne im Cockpit sitzen die Piloten. Je nachdem wie viele Stunden ein Flug ist, sind 2 oder 3 Piloten im Cockpit. Ist ja logisch. Wenn wir in Urlaub fahren, wechseln sich Papa und Mama ja auch mit dem Fahren ab. Das ist hier wohl nicht anders. 

Die Düsenmutti hat gesagt, sie hat eine riesige Überraschung für mich nach dem Essen. Ich platze vor Neugier!

Wow, was für eine tolle Überraschung! Ich darf ins Cockpit und mir alles Anschauen, aber nichts Anfassen. Ich bin der Köööönig der Welt ! :) 

Du glaubst nicht, wie viele Schalter, Bildschirme und Knöpfe es hier gibt. Kein Wunder, dass man da mindestens zu zweit drin sitzen muss. 

Es ist toll hier. Man kann vorne aus dem Fenster gucken, wie beim Autofahren. Ich könnte nie ein Flugzeug Fliegen. Bestimmt würde ich immer am falschen Rädchen drehen, das sind mir zu viele Knöpfe. 


Hier ist alles so aufregend. Jetzt weiß ich auch, wo der Spruch her kommt: Die Zeit vergeht wie im Fluge. 

Nicht mehr lange und wir werden Landen. Dann sind wir fast 7000 km geflogen, von einem Kontinent auf den anderen. Es dauert 9:30 Stunden. Das hört sich lang an, ich fand aber, dass es schnell vorbei gegangen ist. Es waren so viele neue Dinge, die ich gesehen und gelernt habe. 

Jetzt schlafe ich noch ein bisschen, damit ich fit bin, wenn wir in Chicago ankommen. 

Liebe Luisa, ich sende dir ganz viele Grüße bis bald, 

                                                                                     
dein Weltenbummler Lu










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