Lu Düsenbär

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Dienstag, 17. April 2018

Lu Düsenbär erlebt sein erstes Kirschblütenfest in Osaka

Liebe Louisa,

ich war wieder fliegen! Jaaa, endlich, ich habe es so vermisst, die Welt zu bereisen, Fliegerluft zu schnuppern, ferne und nahe Länder zu entdecken und meine Uniform wieder anzuziehen! Als ich so in der Galley saß, musst ich die ganze Zeit an das Lied von Marius Müller Westernhagen denken und habe : Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt gesungen, weil ich soooo glücklich war. Ich glaube, das ist den anderen nach einer Zeit ganz schön auf den Geist gegangen, aber ich konnte einfach nicht anders. 



Mein erster Flug ging mit meiner Düsenmutti nach Osaka in Japan und dann auch noch zur schönsten Zeit des Jahres dort! Sakura! Auf deutsch: Kirschblüte. 🌸 Im Frühling blühen in ganz Japan abertausende Kirschbäume, es ist wunderschön. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie unglaublich schön das aussieht. Überall Blüten, von weiß über rosa bis zu pink und dieser Duft! Louisa, du hättest es geliebt! Den Duft kann ich dir leider nicht schicken, aber wir haben viele Bilder gemacht. 

Viele Menschen in Japan ziehen ihre schönsten Kimonos an, um unter den Kirschblüten spazieren zu gehen, Picknicks zu machen und Fotos zu schießen. Aber dazu später mehr, erst einmal mussten wir ja hinfliegen.

Meine Düsenmutti arbeitet am liebsten in der Küche, wo alle Vorbereitungen gemacht werden, ich durfte helfen und habe ganz genau zugesehen. Zur Landung durfte ich ins Cockpit und den Piloten über die Schulter schauen! Ist das nicht cool. Ich hätte da den ganzen Flug sitzen können. Der Chef war so nett. 
Das war ganz schön aufregend und es gibt sogar ein Video davon. Im Hotel sind wir zuerst schlafen gegangen, so ein Nachtflug ist ganz schön anstrengend.

Abends sind wir mit der U-Bahn nur schnell in ein Restaurant gefahren, denn am nächsten Tag ging es früh los nach Kyoto! Kyoto war früher die Hauptstadt und ist heute noch das kulturelle Zentrum Japans. 

Es gibt dort viele wichtige buddhistische Tempel und Shinto-Schreine, der Buddhismus und Shinto sind die am weitesten verbreiteten Religionen in Japan. Ein Schrein ist ein "Schatzhaus", wie eine große Schatztruhe. Da werden wichtige Dinge drin aufbewahrt, die dem jeweiligen Gott gehören.  Es ist, als tauche man in eine andere Welt. Alles ist so anders hier. Die Anlagen sind oft sehr groß und die Gebäude ganz anders, als man sie bei uns kennt. Ich fand sie wunderschön.



 Am nächsten Morgen ging es früh los mit meiner Düsenmutti und ihren Kollegen. Auf nach Kyoto. Dort gibt es die schönsten Kirchblüten.  Im Zug habe ich ganz vorne gesessen und alle Japaner und Japanerinnen fanden mich „kawaii“, das heißt „niedlich“ auf japanisch! 


Unser erster Stop war einer der bekanntesten Shinto-Schreine, er
heißt Fushimi Inari Taisha. Er ist berühmt für seine unzähligen Toriis, das sind die scharlachroten Tore, die den Eingang der Shinto-Schreine markieren. Immer wenn meine Düsenmutti ein Foto von mir machte, tönte es von überall: „Kawaii!!“ Dieses Wort vergesse
ich so schnell nicht. Die vielen Tore sehen wunderschön aus, führen durch Wälder den Berg hinauf an kleinen Schreinen vorbei und wieder hinunter zum Hauptschrein.

Nach dieser Kletterpartie fuhren wir mit dem Zug in die Innenstadt, um uns beim Mittagessen für die Kischblütenwanderung zu stärken. Unterwegs habe ich tolle neue Plüschfreunde kennengelernt und dann kamen wir endlich an unserem Ziel an: Der Philosophenweg!

Er führt entlang eines Flusses, der auf beiden Seiten von hunderten Kirschbäumen gesäumt ist. Man fühlt sich wie in einem Meer aus duftenden Blüten und kann den Frühling so richtig spüren. Und es ist wirklich wunderschön. 
Wenn der Wind ein bisschen stärker bläst und die Blüten von den Bäumen weht und sie in der Luft tanzen lässt, sieht es aus, als würde es schneien – duftender, tanzender,Blütenschnee. Wir waren genau zum richtigen Zeitpunkt dort, die Farben der Kirschblüte sind weiß, zartrosa bis hin zu dunklem pink, nach dem langen Winter macht das richtig gute Laune! Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Farben bei Kirschblüten gibt. 

Und dazu die hübschen Kimonos der japanischen Frauen, die habe ich sehr bewundert und durfte mit einigen auch ein Bild machen!
Guck mal wie schön die sind. Eine sah aus, als hätte sie unzählig Kirschbüten auf ihrem Kimono. Den fand ich wunderschön oder wie die Japaner sagen: Kawaii!

Unsere kleine Gruppe konnte sich garnicht satt sehen und so spazierten wir langsam den Fluss hinunter, haben ganz viele Fotos gemacht und uns in ein Café am Flussufer gesetzt. 

Als die Sonne langsam unterging wurde es Zeit nach Osaka zurückzukehren. Wir sind soooo viel gelaufen an diesem Frühlingstag, dass allen die Füße weh taten! Hatte ich ein Glück, daß meine Düsenmutti mich die meiste Zeit getragen hat. Ich saß gemütlich in der Seitentasche des Rucksacks und habe alle Eindrücke dieses wunderbaren Lands aufgesaugt. 

Zurück in Osaka sind wir nach einem schnellen Abendessen schlafen gegangen. Ich war auch ganz schön müde. So viele neue Eindrücke. Die ganze Nacht habe ich von den schönen Kirschblüten geträumt und den wundervollen Duft in der Nase gehabt.

Am nächsten Morgen ging es für uns schon sehr früh zum Flughafen, um wieder nach Hause zu fliegen! Ich wäre gerne noch länger hier geblieben. Das Land und die Menschen sind so faszinierend. Hoffentlich komme ich bald wieder hier hin.

Auf dem Heimflug durfte ich einem japanischen Ehepaar ein Geschenk überreichen! Meine Düsenmutti hatte mitbekommen, dass die beiden an diesem Tag vor 50 Jahren heirateten und somit auf unserem Flug ihre goldene Hochzeit feierten!Kannst du dir das vorstellen? 50 Jahre verheiratet, unglaublich. Ich kenne keinen,der so lange verheiratet ist. Sie waren sehr nett und haben sich richtig gefreut.

An Bord gibt es für solche Anlässe eine Sofortbildkamera und so gibt es jetzt ein Bild von mir und den beiden als Erinnerung. Meine Düsenmutti hat auch noch ein paar dieser Sofortbilder mit mir gemacht. Und schwuppdiwupp war unser Flug auch schon wieder zu Ende.

Es war wie immer viel zu kurz, aber ich freue mich jetzt auf mein nächstes Abenteuer und wohne in der Zwischenzeit am Crew Check-in, wo ich bestens umsorgt werde. Die haben sich auch so gefreut, dass ich wieder fliegen und da warte ich dann, bis es wieder heißt: „Lu Düsenbär, prepare for departure!“

So liebe Louisa, das war mein erster Brief nach so langer Zeit. Du wirst jetzt wieder viele schöne Abenteuer mit mir erleben.

Hab dich lieb, dein Bruder

Lu
















copyright: Sidonie Schmitt und Anke Mössner 2018

Montag, 27. April 2015

Osaka - Hirschen, Tempel und der enge Weg ins Nirwana

Liebe Luisa!



Diesmal hat mich meine Reise nach Osaka in Japan verschlagen. In Japan war ich ja schon mal, deswegen kannte ich mich an Bord schon ganz gut aus.

Meine Düsenmutti war diesmal eine Purser-Düsenmutti genauer gesagt eine P1. Ich weiß gar nicht, ob ich dir das schon mal erklärt habe.

Auf der Langstrecke gibt es immer zwei Purser. Den oder die P2 und den oder die P1. Wobei die P2 die Chefin der Kabine auf dem Flug ist und die P1 die Vertretung.

Zuerst fand ich es sehr komisch, dass der Chef die Nummer 2 hat und nicht die 1. Das hängt aber mit den Streifen an der Uniform zusammen. Je mehr Streifen man hat, desto wichtiger ist man. So ähnlich wie im Cockpit auch, da hat der Pilot ja auch 4 Streifen und der Copilot 3.
Der P1 hat also einen breiten und einen schmalen Streifen an der Uniform und der P2 einen breiten und 2 schmale Streifen.  Das "Büro" des P2 auf der Langstrecke heißt PCC.

Wir haben zusammen im PCC (Purser Control Center-da sind ganz viele Schalter und Knöpfe für Dinge wie Licht, Temperatur und Sitzfunktionen) überprüft, ob alles in Ordnung ist und ich durfte ganz allein die Airshow einschalten - das ist eine Weltkarte, auf der die Passagiere jederzeit sehen können, wo genau das Flugzeug gerade ist, wie hoch wir fliegen und wann wir genau landen.


In der Pause durfte ich dann auch im Purserbett schlafen, aber das ist eigentlich gar nicht anders als die anderen Betten, sondern einfach nur das, was am nächsten an der Tür ist.


Dann waren wir nach vielen Stunden endlich in Osaka und nach einer Stunde Busfahrt sind wir im Hotel erst mal schlafen gegangen, denn obwohl es dort gerade Morgen war, war es für die Düsenmutti und mich nach deutscher Zeit mitten in der Nacht. 

Ganz spannend ist es immer wieder, in ein neues Hotel zu kommen und fest zustellen, was in dem fremden Land anders ist als zu Hause. In Japan sind die größten Unterschiede im Badezimmer zu finden: zum Aufdrehen des Wassers am Waschbecken musste man den Hebel nach unten drücken und ganz lustig sind die Toilettensitze: Die sind beheizt, wenn man sich drauf setzt, geht ein kleiner Ventilator an, der schlechte Gerüche absaugt und wenn man nach dem "Geschäft" auf einen Knopf drückt, fährt eine kleine Dusche aus, die einem den Popo abduscht. Das fand ich ganz lustig!



Nach ein paar Stunden Schlaf waren wir ganz schön hungrig und sind erst mal in der Nähe vom Hotel ein bisschen herumgelaufen und haben uns alles angeguckt. Das war vielleicht ein Gewimmel von Menschen. 

Ich hab auch direkt tolle Sachen zu essen gefunden, es war aber leider alles nur aus Plastik. 

Da haben meine Düsenmutti und ich uns mit ein paar Kolleginnen getroffen, die sich gut auskannten und sind Sushi Essen gegangen. 


Da führen am Tisch Fließbänder vorbei, von denen man sich die Teller runter nimmt und am Tisch hat man einen Bildschirm, auf dem man durch Drücken der entsprechenden Tasten noch andere Sachen bestellen kann. 


Das Restaurant war sehr groß und wir haben uns gefragt, wie lange es wohl dauert, bis das Fließband eine komplette Runde gedreht hat. Wir haben dann auf einen Teller, auf dem Kleine Würstchen lagen (die werden selten gegessen, da man, wenn man Sushi Essen geht, eher Lust auf Fisch hat) einen winzigen Schnipsel einer Serviette gelegt und die Zeit genommen. 

Obwohl das Restaurant nur halb besetzt war und deshalb das Fließband nicht durch den ganzen Laden führte, brauchte es 12 Minuten, bis die "Schnipselwurst" wieder vorbei kam!

Wir sind lange sitzen geblieben und haben danach noch in einer Bar etwas getrunken, damit man nicht zu früh wieder schläft. Da die Düsenmuttis ja nach der zweiten Nacht frühmorgens einen anstrengenden Rückflug haben, ist es wichtig, so zu planen, dass man in der zweiten Nacht gut schläft! Also in der ersten spät ins Bett und am Morgen früh wieder raus!

Meine Düsenmutti und ihre Kollegin die P2 von diesem Flug, haben zusammen einen Ausflug nach Nara gemacht. War ganz schön lustig und ich habe mich sehr gefreut. Die P2 kannte ich nämlich auch schon von einer meiner Reisen. Wir waren zusammen in Toronto an den Niagarafälle. Das ist eine ganz Liebe.

Nara war sehr interessant und ich habe wieder viel gelernt. Es ist eine ehemalige Königsstadt (vor 1200 Jahren), die zum Weltkulturerbe zählt. Das Schöne dort ist, dass dort überall Rehe und Hirsche herumlaufen. 

Das liegt daran, dass es vor hunderten Jahren dort eine Familie gab, in deren Wäldern niemand diese Hirsche jagen durfte. Daher haben sie die Scheu vor Menschen verloren. Außerdem wurde der Schrein (so etwas wie eine Kapelle oder ein Tempel; in der Shinto-Religion heißt das eben "Schrein"), den diese Familie zur Ahnenverehrung hatte von Gottheiten bewacht, die auf Hirschen ritten, was dazu führte, dass die Menschen in der Stadt auch die Hirsche als heilig verehrten. 


Jetzt laufen sie heute noch durch die ganze Stadt und versuchen, von den Besuchern Essen zu ergattern und sind manchmal ganz schön frech. Einer wollte sogar mich probieren, und hat mich in den Fuß gebissen. War zum Glück nicht richtig schlimm, hat aber den ganzen Tag etwas weh getan und ich habe mich unwahrscheinlich erschrocken. 

Wir haben uns einige Schreine angesehen und sind durch wunderschöne Parks spaziert.

Sehr gefallen hat mir der Kasuga-Taisha Schrein. 
Dort stehen an den Wegen über tausend steinerne Laternen, in denen Kerzen stehen. Wir haben uns gefragt, ob die dort nur an bestimmten Tagen angezündet werden, oder ob das jeden Abend passiert. Wie lange man wohl braucht, um tausend Kerzen anzuzünden? 


Dort konnte man auch an vielen Stellen für eine kleine Spende Holztäfelchen kaufen, mit einem Wunsch beschriften und um Erfüllung des Wunsches beten. 


Dafür muss man sich zweimal tief verneigen, zweimal in die Hände klatschen, dass Gebet sagen (oder denken) und sich noch einmal verneigen. An einigen Stellen, an denen man diese Holztäfelchen aufhängen konnte, waren auch Gongs angebracht, die geschlagen wurden von jemandem, der sich etwas gewünscht hat. 

Wir haben uns das nicht getraut, weil wir nicht wussten, ob das den Gläubigen vorbehalten war, aber gebetet haben wir trotzdem- besonders für Mia und ihre Familie.



Dann sind wir weitergelaufen zum Tōdai-ji TempelDen fand ich am Beeindruckendsten!


Am Eingangstor stehen zwei hölzerne Wächter, die sind 8m hoch und sahen ganz schön grimmig aus. In der Haupthalle des Tempels sitzt eine Buddha-Statue (der "Daibutsu"), das ist die größte buddhistische Bronzestatue der Welt und der größte sitzende Buddha in Japan.


In der Halle gibt es eine Säule, in der ist ein Loch, das so groß ist, wie das Nasenloch des Daibutsu. Man sagt, wenn man da durch passt, dann geht man nach dem Tod direkt ins "Nirwana" (so ähnlich wie das Paradies. Ein bisschen komplizierter ist es schon, aber das würde jetzt zu lange dauern).

Meine Düsenmutti und ich wollten das versuchen. Ich war ganz zackig durch, aber die Düsenmutti musste ganz schön zappeln, bis sie sich soweit durchgewurschtelt hatte, dass sie sich vorn wieder rausziehen konnte.

Als wir aus dem Tempel kamen, haben wir draußen  eine Statue des Binzuru sitzen sehen. Binzuru war ein Heiler, de aber sehr gerne trank. 



Einmal hatte Buddha ihn zu einer Familie geschickt, um böse Geister zu verscheuchen. Er sollte danach direkt wieder heim kommen, ließ sich aber zum Trinken verleiten, so dass er am Ende ganz betrunken war und die Geister zurückkamen. Daraufhin hat Buddha ihn aus seinem Tempel verstoßen. 


Binzuru bereute alles und folgte Buddha überall hin und saß immer vor seinem Tempel. Später hat Buddha ihm vergeben und ihm auferlegt, dass er auf der Welt bleibt, um zu heilen. Deswegen sitzt er vor vielen buddhistischen Tempeln und die Besucher sollen ihn erst an der Stelle berühren, an der sie Schmerzen haben und dann die gleiche Stelle bei sich berühren und dann werden sie geheilt.
Ich hab das einfach mal versucht, weil mein Fuß ja immer noch weh tat und siehe da- es hat funktioniert!


Dann haben wir uns noch ein bisschen die Stadt angesehen, lustige Dinge zum Essen gekauft und probiert. 

Später am Nachmittag sind dann wieder nach Osaka zurück gefahren, haben uns zum Abendbrot Sushi mit aufs Zimmer genommen und meine Düsenmutti ist noch zum Sport gegangen. 

Danach waren wir so geschafft, dass wir die ganze Nacht bis zum Weckerklingeln geschlafen haben und auf dem Rückflug ganz ausgeschlafen waren!

Ich bin mal gespannt, wie dir die Süßigkeiten schmecken, die ich für dich gekauft habe - Kitkat mit Geschmack von grünem Tee, roten Bohnen oder Käsekuchen....

Bis dann 
dein Lu

©Annika Schüren & Anke Mössner 2015



Dienstag, 3. März 2015

FŪRYŪ - die Kunst sich über schöne Dinge zu freuen

Meine liebe Luisa,

es war schön Dich mal wieder zu Hause zu sehen. Hatte mir gar nicht gedacht, dass ein Praktikant so viel zu tun hat.

Also, schon bin ich wieder weg.  Dieses Mal geht es nach Tokio, der Hauptstadt von Japan. Dort sagen sie "Konnichiwa" zur Begrüßung und verbeugen sich vor ihrem Gegenüber. Nix mit Händeschütteln. 

Unsere Buchstaben benutzen die Japaner auch nicht. Eher schaut es lustig aus mit diesen Symbolen. こんにちは - Guten Tag !

Japan liegt ganz rechts auf der Landkarte, also östlich von uns, dort wo die Sonne aufgeht, und besteht aus ganz vielen Inseln. Japan liegt auch auf so einer Erdplattengrenze. 

Deswegen gibt es da häufiger Erdbeben, wo der ganze Boden sich schüttelt. Aus diesem Grund haben die Japaner gelernt Häuser zu bauen, die trotzdem nicht umkippen, wenn sie geschüttelt werden. Krass würdest du sagen!

Tokio ist riesengroß, über 35 Millionen Menschen leben in oder um die Stadt herum. 

Im Zentrum der Stadt können nicht alle leben, da es dort wenig Platz gibt und ganz viele Hochhäuser.


Der Flug war unglaublich lang. 11 Stunden im längsten Flugzeug der Welt, der A340-600



Ich durfte in der First Class sitzen, weil meine Düsenmutti da arbeitet. Ich wurde gleich von ihr und der japanischen Flugbegleiterin verwöhnt. 

Dicker Sitz, leckeres Essen, fernsehen und schlafen. Fast wie daheim auf dem Sofa bei Dir, Mama und Papa.


Meine Düsenmutti hat mich schnell noch in der Küche geküsst, damit ich sie nicht so vermisse. 


Aber sie muss sich ja schließlich um alle Gäste, die Piloten im Cockpit und ums Essen kümmern. 




Ihre Kollegin Madoka hat sehr elegant das Essen serviert. Muss schon sagen - sehr schick diese Erste Klasse.

Schnell ins Hotel, frisch machen und gleich los. Wir wollten schließlich keine Minute ungenutzt lassen.

Ich kann dir gar nicht sagen wie bunt und schräg die Leute hier aussehen. 


Meine Düsenmutti, ihre Freundin und ich sind zuerst mit der Schnellbahn/Metro nach Harajuko gefahren, wo es viele lustige Läden und verrückte Japaner gibt. 


Fahrkarte aufladen und los. Die Bahnen sind nicht immer so leer. 

Manchmal gibt es extra auf dem Bahnsteig Leute, die helfen ganz viele Menschen in den Zug zu drücken. 

Ich kam aus dem Schauen gar nicht raus, alles blinkt und blitzt, überall ist Musik, sogar an der Metro-Station habe ich Vogelgezwitscher gehört. 


Die Takeshita Street ist echt bekannt bei jungen Leuten. Da passe ich auf jeden Fall gut dazu.

Und nun muss ich dir mal ein Geheimnis verraten. 

Ich glaub, ich hab mich ein bisschen verguckt… In einem Laden war ich einkaufen. Und da habe ich SIE getroffen. 

Sie war auch in dem Laden und hat mich total lieb angelächelt. Sie hat so weiches Fell und ganz hübsche Blümchen im Haar und an den Beinchen.

Ihr Name ist Sakura Kitty. Irgendwie haben wir uns gleich gemocht. 


Die meisten Namen in Japan haben eine schöne Bedeutung: Sakura heißt Kirschblüte, ist das nicht niedlich?

Sakura hat mir erzählt, weil ich so neugierig gefragt habe, dass in Japan die Blüte der Kirschbäume ganz doll gefeiert wird weil es das Ende des Winters ist. 

Die Bäume tragen aber keine Kirschen, nur so wunderschöne Blüten, alle Parks sind dann ganz weiß und hellrosa. 

Die Japaner kommen zum picknicken in die Parks, legen sich unter die Bäume und erfreuen sich am Blütenmeer. Aber das gibt es nur ein paar Tage und dann ist der Zauber wieder vorbei. Das nennt sich dann Hanami

Ab diesem Moment haben wir beschlossen möglichst viel Zeit zusammen zu verbringen. Denn Sakura Kitty kennt sich natürlich wunderbar aus in ihrer Heimatstadt. Und ich bin froh, dass ich eine so klasse Freundin gefunden habe.

In Harajuko gibt es einen Laden, der heisst Labor. Japaner sind berühmt dafür, dass sie Roboter und Elektronik und neueste Technik entwickeln und testen

Luisa, da kann man mit Robotern spielen. Wenn man das macht, lernen diese elektronischen Wesen fast wie ein Mensch zu sein. Dieser hier war sehr nett und konnte sogar deutsch sprechen, wenn man es eingestellt hat. 

Er war richtig nett zu mir und wollte mit mir Fußball spielen. Leider hat meine Düsenmutti darauf nicht wirklich Lust. Schade. 

Nach dem Einkaufsstress in Harajuko hatten wir echt richtig Hunger. 

In Japan isst man meistens Sushi, das ist roher Fisch auf Reis. 


Manchmal auch in grüne Algen gerollt und mit lustig aussehender Verzierung oder einfach nur draufgelegt. 

Klingt echt komisch, hat aber sehr lecker geschmeckt. Wir waren in einer Sushi Bar. Da fährt echt das Essen an einem vorbei und man kann sich nehmen was man mag. 

Der Fisch ist ganz zart. Meine Düsenmutti hat mir gezeigt, wie man das Sushi mit Stäbchen isst. 


Oh man Louisa, das war was. Irgendwie hab ich mich ganz doof angestellt diese dünnen Stäbchen zwischen meinen Tatzen zu halten und nur das obere Stäbchen zu bewegen. 

Macht nichts, hab dann ohne Stäbchen gegessen und es in die braune Soja-Soße getaucht. 


Die Erwachsenen essen noch so ne grüne Paste dazu, die sie Wasabi nennen. War mir aber zu scharf, so dass ich gleich weinen musste. 

Außerdem essen die hier auch gerne Nudelsuppen mit viel Gemüse und ganz viel Meeresfrüchte, weil Tokio ja am Meer liegt. 

Und dann gibt es etwas, das schaut aus wie Knödel. War sehr lecker mit der Bohnenpaste drin. Schlage ich Mama mal vor, dass wir auch sowas kochen. Muss ja nicht immer Marmelade im Knödel sein. 

Bin satt ins Bett gefallen. Zuhause hätte ich Theater gemacht. War nach unserer Uhr erst 16 Uhr nachmittags. Da würde ich ja nie freiwillig schlafen gehen. 

Aber großartige Erlebnisse und Kribbeln im Bauch machen müde. Am nächsten Morgen musste ich auch ganz fit sein, denn da haben wir was Besonderes gemacht. 

Ich bin gejoggt!!  Durch Tokio. Zusammen mit vielen Leuten aus der ganzen Welt. Hier ist nämlich der Tokyo Marathon. Ich habe beim kleinen Lauf mitgemacht, dem International Friendship Run, also einem Freundschaftslauf. 


Meine Düsenmutti ist eine begeisterte Läuferin und hat uns alle zusammen einfach angemeldet. 



Hat gemeint, es wäre doch schön durch Tokio zu laufen mit vielen anderen Menschen aus der ganzen Welt und Spaß zu haben. 

War echt lustig, viele Läufer waren verkleidet wie im Fasching, ich hab Kängurus aus Australien, Leute aus Malaysia, japanische Comicfiguren, Superhelden und verschiedene Tiere gesehen.



Und alle sind die 5 km gelaufen. Haben sich gefreut, miteinander geredet und Telefonnummern und Email-Adressen ausgetauscht. 

Die Welt kann so schön sein. 



Und am Schönsten war, dass Sakura mich angefeuert hat. haben natürlich ein Fanfoto zusammen gemacht.


Abends hatte ich ein bisschen Heimweh. Zum Glück habe ich eine Telefonzelle gefunden. 

War aber schwierig mit der japanischen Anleitung. Dann hatte ich Papa an der Strippe. 

Das hat mich beruhigt und ich habe ihm alles erzählt was ich bisher erlebt habe. Danach bin ich schnell zu meiner Düsenmutti auf’s Zimmer. 

Die hat sich schon Sorgen gemacht und mich dann ganz feste in den Arm genommen. Alles wieder gut.

Und am nächsten Tag haben wir uns den Marathon angeschaut. Da müssen die echt lange laufen, über 42 km ohne aufzugeben. 

Ich weiß ja nicht, ob ich das so mit meinen Beinchen durchhalten würde, aber die Menschen sind echt zäh und wollen das einfach. 

Der Gewinner hat nur 2 Stunden gebraucht und kommt aus Afrika. 

Die Strecke geht quer durch die Stadt, vorbei am Kaiserpalast, den Wolkenkratzern, über Brücken zu Tempeln und überall stehen Menschen und jubeln den Läufern zu, geben ihnen was zu trinken und freuen sich. 

Ich hab mich auch gefreut, denn eine Düsenmutti aus der Crew ist mitgelaufen und wir haben sie angefeuert. Boah, hat die mich beeindruckt. 

Die Marathon-Düsenmutti aus der Crew hat mir mal ihre Medaille umgehängt. Darauf ist man bestimmt mächtig stolz, wenn man das geschafft hat. Wenn ich groß bin will ich das auch mal probieren…

Nach dem Lauf haben Sakura und ich zusammen den ganzen Nachmittag Tokio unsicher gemacht. 

Wir haben uns zusammen so viel angeschaut und hatten ganz viel Spaß. Es hat ein bisschen geregnet. Also ab unter einen Bären-Regenschirm. Extra für uns gemacht.

Und Sakura war kalt. Da habe ich ihr meinen Pullover geliehen. Wollte nicht, dass sie sich eine Erkältung holt. 

Wie ist es eigentlich gerade zuhause mit der Grippewelle? Höre, dass fast jeder krank ist und diesen blöden Husten hat.



Wir haben den großen Tempel Asakusa in Tokio besucht. 

Die meisten Japaner sind Buddhisten oder Zen-Buddhisten. Woran die wirklich glauben, kann ich dir nicht erklären ( hihi…ich habe es selbst vergessen, obwohl meine Düsenmutti das erklärt hat ). 

Aber da gibt es viele schöne Rituale mit Räucherstäbchen und Glückspapieren, Wunschzetteln, Reinigung mit Wasser und Verbeugungen vor den Göttern.

Habe einfach mitgemacht. 


Und dann kamen diese Japaner in den traditionellen Gewändern.
Die Frauen tragen einen Kimono und die Männer einen Jimbei. 

Die Schuhe heißen Geta und sind eigentlich ziemlich coole Snowboards finde ich.



Sind ganz schnell in die Bahn gesprungen nach Shibuya gesprungen. 

Das ist auch ein Viertel in Tokio, wo sich abends die jungen Leute amüsieren. 

Die finden Pachinkos ganz toll. So Maschinen wo man Geld gewinnen kann. Die machen einen Höllenlärm und so kleine Kids wie ich dürfen da gar nicht rein. 

Aber meine Düsenmutti hat mir mal ein Foto gezeigt

In Shibuya gibt es überall Leuchtreklamen und immer so viele Menschen. Da gibt es zum Beispiel eine weltberühmte Straßenkreuzung, wo gleichzeitig aus allen Richtungen ganz viele Menschen bei Grün über die Straßen gehen. 

Da hat es mich glatt umgehauen und ich habe planking auf der Strasse gemacht. Alle mussten über mich lachen. 

Außerdem ist hier das Denkmal von Hachiko, dem Hund der jeden Tag sein Herrchen von der Metro abholte. Und nachdem sein Herrchen starb ist der Hund trotzdem jeden Tag zum Bahnhof gegangen und hat auf ihn gewartet. Hunde sind echt klasse. Fast so wie Bären.

Sakura und ich wussten, dass das unser letzter gemeinsamer Tag ist, denn das Wochenende ist vorbei und sie muss sich wieder um ihre Arbeit kümmern und ihre Familie. 

Bin ein bisschen traurig natürlich. Aber ich freue mich umso mehr, dass ich sie kennenlernen konnte. 

Furyu nennen das die Japaner, wenn man sich einfach freut über schöne Dinge. Das Schriftzeichen ( ich habe es ganz oben über diesen Brief geschrieben ) bedeutet “flieg mit dem Wind”. 

Man freut sich einfach so aus sich heraus über Menschen und Sachen, Natur und Bilder, so wie der Wind eben auch einfach bläst. Das finde ich aber mal eine tolle Einstellung.


Wir haben die gemeinsame Zeit wirklich noch wunderbar ausgekostet. Habe ihr eine Blume geschenkt. 

Beim Abschied hab ich ihr ein Bussi gegeben. Im Park war aber niemand und keiner hat’s gesehen. Ich hoffe sehr, dass ich bald wieder nach Tokio fliegen kann oder Sakura Kitty kommt zu mir und ich kann ihr mal Deutschland zeigen... und du kannst sie auch kennen lernen

Nun ist also unser letzter Tag, und meine Düsenmutti fährt mit mir und ein paar anderen aus der Crew in die Berge. 

Meine Düsenmutti hat sich nämlich ihren Führerschein auf Japanisch übersetzen lassen, damit sie hier auch Auto fahren kann. Ich bin erst mal gleich auf der falschen Seite eingestiegen und saß plötzlich hinterm Steuer. Ooops. 

Da hat mich Düsenmutti auf die linke Seite rübergesetzt. Die Japaner fahren nämlich auf der anderen Straßenseite als in Deutschland. 

Also Linksverkehr. Und deswegen ist das Steuer rechts. Und das ist ja sonst meine Seite. 

Verrückt, dass die Düsenmutti das hinbekommt. Nur wenn sie blinkern will, macht sie oft aus Versehen den Scheibenwischer an, weil die Hebel auch vertauscht sind. Hab mich schlapp gelacht. Sehr lustig.

In den Bergen war noch Schnee und ganz tolle frische Luft. Gute zwei Stunden hat unsere Fahrt nach Nikko gedauert. Da ist eine große Tempelstadt, die man früher nur über die heilige Shinkyo-Brücke erreichen konnte. 

Und da durfte nur der Kaiser oder seine Gesandten drüber gehen zu den Mönchen.

In Nikko gibt es den berühmten Toshogu Schrein. 

Alles glänzt mit dem Gold und den schönen Farben. Besonders schön war es jetzt natürlich noch mit dem Weiß des Schnees.

Hatte natürlich gleich wieder kalte Füße. Aber wollte dir zeigen wie das aussieht

Dann habe ich diese Schnitzerei an einem Tempel entdeckt und meine charmanten Begleiterinnen gefragt, was das denn bedeuten soll hier mit diesem Affentheater. 

Der eine hält sich die Ohren zu, der andere den Mund und der Dritte die Augen. 

Stell dir mal vor, wir würden das mit Mama und Papa machen. Na die wären sauer, wenn wir nicht hören, sprechen oder zugucken. Aber hier hat das natürlich eine andere Bedeutung. Man soll nämlich nichts Böses hören, nichts Böses sagen und nichts Böses sehen. Das tut den Lebewesen gut, finden die Japaner. Finde ich auch. 

Ach Louisa, was für ein tolles Land. Es hat mir richtig gut getan hier. Alles ist so ganz anders, so fremd, man kann gar nichts lesen und kein Wort verstehen. Aber die Leute hier sind so nett und lustig und helfen dir immer weiter.  

Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Düsenmutti Ausflug, dann kann ich denen von den verrückten Japanern erzählen…..aber erst mal erzähle ich nach der Rückkehr alles Dir. 

Also halte dich bereit und bring Zeit mit. Habe dir auch was mitgebracht und zeige Dir schon mal einen Ausschnitt. Das ist ein japanischer Comic. Die nennen das hier Manga. Echt abgefahrene Zeichnungen. Da kannst Dich wirklich drauf freuen.

Unsere Frau Kapitän hat erzählt, dass wir viel Gegenwind auf dem Weg nach Hause haben. Es dauert wirklich 12 Stunden und 15 Minuten bis wir wieder landen.

Ich werde viel schlafen und träumen. Von Dir und unserem Wiedersehen. Von Sakura Kitty und von Tokio, der Stadt, die mein Herz erobert hat. Bis ganz gleich,

dein Lu

P.S.: Gucke, Tokio sieht auf Japanisch geschrieben aus wie 2 Fernseher auf Beinen. Schon wieder so eine lustige Nummer 東京 Tokio

©Autoren Isa Knudson und Gabi Rottler 2015