Lu Düsenbär

Lu Düsenbär

Montag, 29. Juni 2015

Welcome to Miami!


Aber bevor es soweit ist, steht noch eine ganze Menge Arbeit an...
Ich durfte mit meiner Düsenmutti Katja in den Purser Briefingraum.  

Dort bereiten sich die fliegenden Purser-Muttis (und natürlich alle anderen) auf ihren Flug vor. Man erfährt am Computer, wie viele Passagiere mitfliegen und wie lange der Flug dauert.

Und ob es Gäste gibt, um die man sich besonders kümmern muss. Wie zum Beispiel Kinder, die alleine, ganz ohne Mama und Papa durch die Gegend fliegen!

Sie besuchen Oma und Opa oder reisen zu ihren Familien nach Hause. Stell dir das mal vor, Luisa! Alleine in so einem großen Flugzeug! Aber die Kinder machen das ganz prima, hat mir meine Düsenmutti erzählt. Und die Flugbegleiter kümmern sich auch immer ganz lieb um sie. So wie sie sich immer um mich kümmern, hihi...

Nachdem wir das alles erledigt hatten, haben wir uns noch ein kleines Frühstück gegönnt. Denn bevor man im Flugzeug die Zeit findet, etwas zu essen, kann einem der Magen schon mal in der (Bären-)Kniekehle hängen! 

Nach dem Briefing der gesamten Crew - alle Flugbegleiter und die Piloten treffen sich und bereden noch einmal gemeinsam den Flug – sind wir mit einem Bus zum Flugzeug gefahren.

Zur Sicherheit tragen alle eine gelbe Warnweste, damit man immer gesehen wird und es zu keinem Unfall kommt. Leider habe ich noch keine Weste und so habe ich mich ganz eng an meine Düsenmama gekuschelt. 

Am Flugzeug angekommen stellen alle Crewmitglieder ihre Koffer ab und gehen an Bord. Schau mal Luisa, wie viele Koffer das sind!     


Während die Flugbegleiter ihre Arbeitsplätze vorbereiteten, habe ich es mir noch ein wenig bequem gemacht und mir die Business Klasse angeschaut. Schön kuschelig hier!   
                                                 
Ich durfte mich auch während des Fluges dort ein wenig ausruhen, denn der Flug hat lange 11 Stunden gedauert. Da kann man schon mal müde werden...

Nachdem wir dann endlich im Hotel angekommen sind, habe ich es nur noch geschafft, aus dem Fenster zu sehen und den Pool zu bewundern und dann bin ich ins Bett gekippt, denn es war schon 5Uhr früh in Deutschland! Die Zeitverschiebung haut mich jedes Mal von den Tatzen! 

Am nächsten Morgen wurde ich von der Sonne geweckt. Ich konnte vom Zimmer aus ganz weit aufs Meer schauen und links und rechts den Strand hinunter. Wie schön, gell?!
                                                                                          
Aber auf einmal hat mich etwas ganz dolle angeknurrt! Ich habe ganz erschrocken meine Düsenmama angeschaut und stell dir vor, sie hat nur gelacht! Sie wusste nämlich ganz genau, was das Knurren war: Mein Magen!

Mann, hatte ich einen Bärenhunger! Also auf zum Frühstücksbuffet... Nach dem riesigen Frühstück sind wir am Strand spazieren gegangen.

Schau mal, Luisa, es kann ganz schön gefährlich sein, sich in die Fluten zu stürzen... Die Wellen hier am Strand können sehr hoch sein und dich ganz schnell ins Meer ziehen.  Du kennst mich ja, ich bin kein Seebär. 

Deshalb bin ich, nachdem ich das gelesen habe, lieber am Strand geblieben und habe mir die Zeit mit Muscheln suchen vertrieben...  

Guck mal, ich habe ja wohl die coolste Liege der Welt, oder? Das Herz ist nur für dich, damit du deinen ollen Bärenbruder nicht vergisst. 
                                  
Zwischendurch habe ich die Tatzen mal ins Wasser gehalten...Brrrrr.... viel zu kalt zum Baden!                                                                                 


Nachdem wir uns noch ein bisschen am Pool aufgehalten haben und viel Sonne getankt haben, ging es auch schon wieder nach Hause.

Das war nur ein kleiner Aufenthalt und mir taten ganz schön dolle die Knochen weh!


Auch hier hat uns wieder ein Crewbus abgeholt und vom Hotel zum Flughafen gebracht. Das ist immer ganz praktisch und so kommt die Crew auch immer pünktlich zum Flughafen.                                                                                                                                                                                             Damit ich nicht verloren gehe, aber trotzdem alles sehen kann, was am Flughafen so passiert wurde ich unter den Griff der Handtasche geklemmt und los ging ́s.
                                           

Am Flugzeug angekommen, durfte ich mit dem Kapitän den sogenannten Outside Check machen. 

Wir haben das Flugzeug von außen untersucht, ob alles in Ordnung und ganz ist, zum Beispiel am Fahrwerk. Und dann hat der Kapitän mich in ein Triebwerk gesetzt – sieh nur, wie groooß das ist. 

Guck mal wie klein ich im Triebwerk aussehe!


Danach durfte ich im Cockpit noch ein wenig bei der Arbeit zuschauen. Hier studiere ich gerade den Flugplan. Darauf erkennt man den Weg, der geflogen wird und vor allem die Flugzeit und das Wetter unterwegs.

Leider war das Wetter auf dem Rückweg nicht so schön und ein doller Wind hat das Flugzeug ordentlich durchgeschüttelt. 

Meine Düsenmama war ganz grün im Gesicht und hatte dann auch keine Lust mehr Fotos zu machen. Mir war auch ganz flau im Magen und ich war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. 

Aber trotzdem hatte ich eine Menge Spaß auf diesem Flug und ich freue mich schon auf meine nächste Reise und darauf, dir davon zu berichten! 

dein Lu


© Katja Grabe-Michel & Anke Mössner 2015

Dienstag, 9. Juni 2015

Auch Flugbegleiter müssen zur Schule


Liebe Luisa,
heute ist ein wichtiger Tag. Wusstest du, dass Flugbegleiter jedes Jahr ganz viele Tests machen müssen, damit sie überhaupt Fliegen dürfen? 

Jetzt bin ich schon 3 Monate mit ihnen unterwegs, aber das wusste ich nicht. Jedes Jahr muss jeder aktive Flugbegleiter mehrfach ins Schulungszentrum und dort seine Lizenzen erneuern. 

Wenn man Vollzeit fliegt, dann hat man max. 3 verschiedene Flugzeugmuster für die man sozusagen einen Führerschein bzw. Lizenz machen muss. Die ist ganz wichtig und darf nicht verfallen. Sie muss jedes Jahr mit einem Test aufgefrischt werden. Da wird dann in einem schriftlichen Test die Theorie für das Muster geprüft und in einem praktischen Test viele andere Dinge. Ich habe immer gedacht ein Flugbegleiter darf in jedem Flugzeug arbeiten. 

Diese Tests sind vom Luftfahrtbundesamt vorgeschrieben. Wenn man sie nicht besteht, dann darf man dieses Muster erstmal nicht mehr fliegen und im schlimmsten Fall kann man sogar seinen Job verlieren. So streng und wichtig ist das. 
Die Flugbegleiter müssen also jedes Jahr die Lizenzen für ihre Flugzeugmuster erneuern und dann noch viele anderen Lizenzen. Erste-Hilfe-Lizenz um jemanden, dem es auf einem Flug nicht gut geht helfen zu können. Fire Fighting, um ein Feuer in kürzester Zeit unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Dangerous Goods, das sind gefährliche Güter. Wenn z.B, ein Akku von einem Smartphone oder Laptop brennt oder eine gefährliche Flüssigkeit ausläuft. Medizinischer Check-Up. Ja, sie müssen jedes Jahr zum Fliegerarzt und werden dort ganz genau untersucht, ob sie fit genug sind, diesen Job machen zu können. Dafür muss man aber auch fit sein.

Immer wieder wird das geübt und getestet, damit man im Falle eines Falles schnell und richtig reagiert. Im Flugzeug zählt jede Sekunde. Die Flugbegleiter sind nämlich eigentlich für die Sicherheit in einem Flugzeug da. 

Sie müssen ein vollbesetztes Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden über die Hälfte der verfügbaren Notausgänge evakuieren können. Sie müssen Feuer löschen können, Erste Hilfe leisten, Streits schlichten, Gefahrgüter richtig behandeln und noch so viel mehr. Puh, mir raucht ganz schön der Kopf, bei so viel Information.
 
Da muss jeder Handgriff und jedes Kommando sitzen. Sie müssen genau wissen, wo die verschiedenen Teile die zur Notausrüstung gehören in einem Flugzeug verstaut sind. Wie die Kommandos und die Handhabung der Türen im Normal- und im Notfall sind. Puhhh, ich dachte immer das wäre ein easy Job, von wegen. 

Sie haben dafür verschiedene dicke Ordner, wo alles drinsteht und womit sie für die Prüfungen lernen. Jedes Jahr ändern sich viele Dinge in den Unterlagen und das müssen sie alles wissen. 
Heute fahren wir nach Frankfurt. Wir fahren mit dem ICE hin, weil meine Düsenmutti nicht in Frankfurt wohnt. 

Ui, der ist ja fast so schnell, wie ein Flugzeug beim Starten. Wir sind viel schneller als die Autos auf der Autobahn. Cool. Über 300 km/h. Da hat man Druck auf den Ohren, wie im Flugzeug. 

Diesmal geht es allerdings nicht auf die Basis, wo ich sonst immer bin. Wir fahren mit dem Bus zum LFTC. Das ist das Lufthansa Trainings Center, wo man das alles lernt und wo geprüft wird. Wow, ein riesiges Gebäude mit ganz vielen Klassenräumen und Hallen.

Hier werden auch die neuen Flugbegleiter ausgebildet. 

Es gibt Räume da stehen nachgebaute Flugzeuge drin und dort kann man die Servicesachen trainieren, Klassenräume wo alles gelernt wird, Spezialräume wo man z.B. Feuerlöschen üben muss, Computerräume wo ganz viele Computer drin sind an denen ebenfalls gelernt wird und dann gibt es noch die Mockup Halle. 

So, jetzt aber erst ein Mal den richtigen Raum finden. Nur nicht zu spät kommen!

Zuerst müssen wir in einem Vorraum warten, dort kommt uns dann der Trainer abholen und dann geht es so richtig los. Ich bin so aufgeregt. 

Ui, das ist Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie gesehen. Hier sind alle Flugzeugtypen als Simulator nachgebaut. Das ist eine riesige Halle hier. Boah!

Von innen sehen sie aus wie ein richtiges Flugzeug und der Trainer kann über den Computer die verschiedensten Situationen nachstellen. Also z.B. Feuer im Flugzeug, eine Notlandung an Land oder Wasser und vieles mehr. Die Fenster sind Monitore, die dann bildhaft die Situation darstellen. Z.B. Feuer vor dem Flugzeug oder Wasser.
  
Der Trainer bestimmt, wer an welcher Flugzeugtür sitzt und dann geht der Test los. Jeder muss jede Türe immer beherrschen, obwohl es da Unterschiede gibt, wie man an bestimmten Türen reagieren muss. Das muss man alles wissen und unter Stress auch richtig machen. Wahnsinnig anstrengend. Bin ich froh, dass ich nicht getestet werde.

Der Simulator reagiert dann fast so, wie in echt. Es rumpelt, wackelt und kracht, fast wie in der Achterbahn. Die Kabine ist verraucht und dunkel usw. Ganz schön unheimlich und dann müssen die Flugbegleiter immer richtig reagieren und das Richtige tun. 

Bei einer Evakuierung ist es dann ganz schön laut! Es werden Kommandos gebrüllt und man muss so schnell wie möglich das Flugzeug verlassen. Da durfte ich sogar einmal auf der Notrutsche rutschen. Auf dem Spielplatz mach mir das aber mehr Spaß. 
Was für ein aufregender Tag! Soviel neue Sachen, die ich gelernt und gesehen habe.  Da können die lieben und immer lächelnden Flugbegleiter auch mal ganz anders sein. Da ist Schluss mit lustig. Das muss aber so sein, damit alle gerettet werden können. Da herrscht ein Ton, wie in der Kaserne. Unglaublich beeindruckend. 

Ich wusste überhaupt nicht, dass ein Flugbegleiter so viel können muss. Auf manchen Flügen habe ich ja schon mal mitbekommen, wenn es jemanden nicht gut ging, dass sie Erste Hilfe ausüben mussten. Dass da aber noch so viele andere Dinge sind wusste ich wirklich nicht.

Sie müssen auch ganz schnell handeln, wenn an Bord ein Feuer ausbricht. Das ist ganz gefährlich. Man kann ja nicht mal eben landen. 

Da müssen sie dann sehr schnell und richtig handeln. Sehr aufregend. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wirklich niemand an Bord raucht. Das gibt richtig Ärger für denjenigen. Es ist zwar verboten, aber leider kommt es manchmal noch vor. 

Es werden auch noch andere Aufgaben im praktischen Test geübt und abgefragt. Irgendwann geht es dann zurück in den Lehrsaal. Da werden dann auch noch Dinge besprochen die sich evtl. geändert habe in dem Jahr und am Ende wird ein Test geschrieben. Und wenn man alles bestanden hat, dann hat man es wieder die Lizenz für ein Jahr.

Das ganze macht man dann ein paarmal im Jahr. Man muss auch immer regelmäßig auf dem Flugzeugtyp z.B. auf der 747 fliegen. Wenn man zu lange ein Muster nicht geflogen ist, verfällt die Lizenz auch. Puh, ganz schön viele Test und Dinge wo man drauf achten muss. 
Ich sehe den Beruf jetzt mit ganz anderen Augen. Sie müssen da oben in der Luft so viele verschiedene Jobs auf einmal können. Man kann ja nicht mal schnell jemanden anrufen und zur Hilfe holen. Da drüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Sie sind Feuerwehrmann, Krankenschwester, Koch, Servicekraft, Psychologe, Streitschlichter, Babysitter, Touristenführer und viele mehr. Gar nicht so ohne!


Jetzt fahren wir erst mal wieder zurück. Ich bin fix und fertig. Das ist ja fast noch anstrengender und aufregender als ein Langstreckenflug. 



Liebe Grüße vom sehr nachdenklichen
Lu
©Anke Mössner 2015



Samstag, 23. Mai 2015

Christmas in Boston? Oder Goldrausch und Schokolade?

Hallo Luisa,

heute geht es wieder auf die Reise. Dieses Mal ist es zwar nur eine kurze Dauer, aber ich freue mich aus Boston in Amerika. Boston liegt an der Ostküste der USA im Bundesstaat Massachusetts. Es ist die größte Stadt in Neuengland, so heißt die Gegend hier. 

Boston ist eine der ältesten und wohlhabendsten Städte Amerikas. Hier ist auch die Harvard Universität. 

Ich habe mir jedenfalls schon mal ein Plätzchen mit Aussicht gesichert und muss gut auf das Kofferlabel aufpassen. Das muss meine heutige Düsenmutti gleich an den Koffer kleben, damit mein Schlafanzug und meine Zahnbürste überhaupt in Boston ankommen.


Ich darf heute mit Düsenmutti Rebecca und Britta in der First Class reisen. Man sitzt da ganz oben im Flugzeug. Heute fliegen wir mit einem Jumbo oder auch B747.


Wenn ich von hier oben aus dem Fenster gucke, ist das wie von einem Hochhaus runterschauen....

Der Kapitän hat gesagt, daß heute ein ganz besonderer Flug ist, weil ich ja dabei bin. 

Deshalb dürfen die Düsenmutti und ich im Cockpit starten und landen. Die Düsenmutti soll auf mich aufpassen....die ganzen Knöpfe und Hebel sind aber auch zu verlockend....wofür die nur alle da sind.......


Da muß ich gleich direkt mal die Piloten fragen.
Aber erstmal müssen wir ganz leise sein, weil die Piloten sich auf den Start vorbereiten und dabei sprechen sie immer mit Menschen, die in einem Kopfhörer arbeiten. 

Diese sagen den Piloten so wichtige Dinge, wie z. B. der Wind gerade steht und wie sie sich in die Warteschlange vor der Startbahn einreihen müssen. Vordrängeln darf sich hier keiner!

Also das auf dem Foto ist, glaube ich, der beste Platz im Flugzeug. Das war schon fast wie Fliegen......

Als wir dann gestartet sind, konnte man sehen, wie groß der Frankfurter Flughafen eigentlich ist. Wußtest du, das der Frankfurter Flughafen der 12. größte Flughafen der Welt ist? 
Schau mal, wie klein die Flugzeuge von hier oben aussehen.....


Auf dem nächsten Foto sitze ich auf dem Schubhebel. Damit gibt man quasi Gas....

Wenn man die Hebel ganz nach vorne drückt, gibt man Schub auf die Triebwerke. Die heulen dann ganz laut auf und dann kribbelt es im Bauch vor Aufregung. 

Das ist ein tolles Gefühl...zum Start werden die Schubhebel dann ganz nach vorne geschoben und aus dem Stand beschleunigt das Flugzeug und wird ganz ganz schnell, ca. 300 km/h. 

Das ist viel schneller als ganz schnell auf der Autobahn im Auto. Ganz oben im Himmel fliegt es sogar noch schneller. Fast 900 km/h schafft es da... und trotzdem brauchen wir über 7 Stunden nach Boston. Das ist wirklich ganz schön weit weg, ganz genau 5.896,52 km weit weg!


Ach ja und ich wollte die Leute in dem Kopfhörer natürlich auch mal kennenlernen und hallo sagen....

Die haben dann gesagt, wir sollen bitte jetzt mal nach rechts abbiegen und das wir auf eine andere Flughöhe steigen sollen. Unterhalten konnten die sich leider nicht mit mir.

Die mußten sich ganz doll konzentrieren, weil sie mit ganz vielen Flugzeugen gleichzeitig kommunizieren und da kommt man sonst durcheinander. Fluglotse ist ein sehr verantwortungsvoller Beruf.


Hier gibt es sogar eine eigene Post im Cockpit....zwischendurch kommen da tatsächlich Briefe an. Neeee, da kommt natürlich nicht der Briefträger mit dem gelben Fahrrad vorbei. Das geht hier alles voll elektronisch. 

Das sind Acars Telexe. Da stehen wichtige Informationen für die Piloten und auch die Crew drauf. 
Meinen Brief an dich darf ich darüber aber nicht schreiben. Nur die Piloten nutzen das um sich mit den Bodenstationen auszutauschen, was nicht über Funk gesagt wird. Z. B. steht da drauf, wie das Wetter in Boston sein wird, wenn wir ankommen.


Auf dem nächsten Foto siehst du mich auf dem Fahrwerkshebel sitzen....ich bin ja echt ein Leichtgewicht, sonst dürfte ich das natürlich nicht.

Wenn man den Hebel runterdrückt, gehen unter dem Flugzeugbauch Klappen auf und die Räder fahren aus, damit wir sanft und sicher in Boston landen können.

Dann sagen die Piloten "Gear down" und einer drückt den Hebel und dann hört man im Flugzeug wie die Räder ausfahren. Das merkt man auch. Dann wird es auf einmal lauter, weil der Luftwiderstand größer wird und es ruckelt dann ein bisschen. 



Über den Wolken ist immer Sonne! Meine Düsenmutti sagt, daß das eine der vielen schönen Seiten an ihrem Beruf ist. 

Egal wie das Wetter auf der Erde ist, sie sieht an einem Arbeitstag immer die Sonne beim Fliegen. Das ist wirklich schön, denn mit Sonne hat man direkt viel bessere Laune!


Zwischdendurch mußte ich aber auch mal was essen. Die Düsenmutti hat gesagt, nur Honig geht nicht! Also haben wir abgemacht, daß ich erst gesundes Gemüse esse und zum Nachtisch leckeren Honig.

Es ist zur Zeit Spargelsaison und deshalb gab es eine Riesenportion Spargel mit Soße. Danach war ich ganz schön satt.....ob die Düsenmutti mir extra soviel Gemüse gegeben hat, damit für den Honig kaum noch Platz war........


Nach 7 Stunden Flug sind wir dann auf Boston zugeflogen. Da es direkt an der Küste liegt, gibt es da auch viele Strände...schau mal wie schön es da unten ist....



Nach dem Flug meinte der Kapitän, daß ich jetzt schon ganz schön viel über das Fliegen weiß und ich deshalb quasi auch ein Kapitän sein könnte. Stell dir das mal vor Luisa.....so sähe ich dann aus....hi hi

Na die Mütze ist mir wohl doch etwas zu groß.... und ich bin auf einmal ganz schön müde geworden. Da sagte der Kapitän ganz lieb, daß ich mich doch einfach ein bisschen ausruhen soll....


Das kurze Schläfchen hat mir gut getan und ich war wieder fit für einen kleinen Spaziergang durch Boston.


Dabei haben wir ein Geschäft entdeckt und ich habe mich gefragt, ob in Boston immer Weihnachten ist....aber die Düsenmutti sagt, daß in Amerika auch nur einmal im Jahr Weihnachten ist. 

Aber die Amerikaner lieben Weihnachten und deshalb gibt es ganz viele solcher Geschäfte. Schon ganz schön verrückt. Du kannst dir nicht vorstellen, was es dort alles zu kaufen gab!

Nicht nur so langweilige Kugeln, wie bei Oma am Baum. Da gab es wirklich alles. 


Und dann habe ich hier sogar noch Freunde gefunden, Luisa schau mal...

Das sind ganz schlaue Bären. Sie gehen hier auf die berühmte Harvard Universität und werden später einmal Arztbären oder Rechtsanwaltsbären..... 


Zum Abschluß des Tages habe ich noch ein riesiges Eis bekommen. Danach hätte ich fast einen Arztbären gebraucht, so kugelrund war mein Bauch von dem Eis.

Es war so unglaulich lecker und hatte bestimmt 3 Mio. Kalorien. Wir haben es bei Ghiradelli gegessen. 
Diese Firma gibt es schon seit 1849! Domingo Ghiradelli war ein Einwanderer aus Italien und kam zur Zeit des Goldrausches nach Amerika. 


Er gründete ein kleines Geschäft in einem Goldminen Camp und war ganz schön clever. Domingo stellte nämlich fest, dass die Minenarbeiter gerne ihren Goldstaub für ganz leckere Dinge ausgeben. 
Da fing er an und stelle wahnsinnig leckere Schockoladenprodukte her. Das war vielleicht ein Schlaubär. Ich muss zugeben, wäre ich damals in diesem Camp gewesen, hätte ich ihm auch meinen Goldstaub gebracht. So lecker sind die Sachen.

Abends waren die Düsenmutti und ich richtig müde und nach einem letzten Blick aus dem Fenster, habe ich mich an meine Düsenmutte gekuschelt und nach einer schönen Gute-Nacht Geschichte bin ich eingeschlafen und habe davon geträumt, das wir uns ganz bald wiedersehen Luisa....


                     Gute Nacht Boston.....




©Rebecca Kraft & Anke Mössner 2015


Mittwoch, 6. Mai 2015

New York - Mein Lieblingsbaum steht hier, der Survivor Tree



Liebe Luisa, 

Anke hat mich wieder mitgenommen. Ich habe mich so gefreut, als sie am Crew Check In nach mir gefragt hat. Wir waren ja schon zusammen unterwegs und ich freue mich immer, wenn ich wieder mit darf. 

Also, auf nach New York! Diesmal hat auch das Wetter phänomenal mitgespielt. Das letzte Mal war ja noch Schnee da. Dieses Mal erwarteten uns 18 Grad und strahlend blauer Himmel. Ein Traum.

Meine Düsenmutti hat mir direkt gesagt, dass wir ein strammes Programm haben werden. Sie wollte sich das 9/11 Memorial und das Empty Sky Memorial anschauen. 


Das hörte sich sehr interessant an und ich war so aufgeregt. Wir haben uns dann schnell die kostenlose App für das 9/11 Memorial geladen und so konnten wir schon ganz viele Informationen zu allem bekommen. Jetzt war ich noch aufgeregter.


Diesmal sind wir mit der großen 747/8 nach Newark geflogen. Das ist der Flughafen in New Jersey, quasi auf der anderen Seite des Hudson Rivers. 


Es war zwar ein sehr anstrengender Flug, aber wir sind noch am Ankunftsabend gut 6 km an der Uferpromenade entlang gelaufen. Wir wollten schon mal gucken, wo die Fähren ablegen und ob man das am nächsten Tag auch alles schaffen könnte.

Es war atemberaubend. Dieser Blick auf die Skyline von Manhatten war einfach unglaublich. Die Sonne ging unter, als wir dort so entlang geschlendert sind. Mir fehlen einfach die Worte dafür. Ich hätte die ganze Nacht dort auf einer der Bänke sitzen und die Skyline bewundern können.

Als wir dann abends im Hotel angekommen waren, sind wir todmüde ins Bett gefallen. Mensch, was habe ich tief und fest geschlafen. 


Am nächsten Morgen war ich schon vor der Düsenmutti wach. Ich habe mir den Sonnenaufgang vom Fenster aus angeschaut. Dort konnte man nämlich auch die Skyline sehen. Traumhaft. 


Da ich schon mal wach war,  habe ich schnell einen starken Kaffee gekocht und die Düsenmutti geweckt. Ich war so aufgeregt.

 Sie hat gesagt, wir fahren mit der Fähre. Ich bin noch nie auf einer Fähre gefahren. Das ist der schnellste Weg um von der einen Seite des Hudsons auf die andere Seite nach New York zu kommen.

Also, schwuppdiwupp ins Bad. In der Dusche war wieder ein riesiger Duschkopf. Da passen mindestens 20 von mir drunter. Es fühlt sich an, als würde man im Regen spazieren gehen.

Diesmal gab es auch einen Vergrößerungspiegel, ups, habe mich ganz schön erschrocken, als ich mich darin das erste Mal gesehen haben. Ich war ein ganz schön dicker Bär! So, noch Zähneputzen etwas After Shave drauf und ich war startklar für das aufregende Abenteuer. 

Und dann ging es los, ab in die Tasche und Richtung Wasser. Wir sind zum Paulus Hook Pier gelaufen. Dort fahren den ganzen Tag viele verschieden Fähren zu den verschiedensten Anlegestellen in Manhatten ab. Da mussten wir fragen, welche die richtige Fähre ist. Ich war so hibbelig, meine erste Fährfahrt.  


Also, Slip 6 und da hupte sie auch schon, wir mussten uns sputen, damit wir sie noch bekamen. Auf der Fähre sind wir nach oben gegangen, dort konnte ich viel besser sehen und mir den Wind um den Pelz wehen lassen. Je näher wir Richtung Manhattan fuhren, desto größer wurden die Wolkenkratzer der Skyline. Gigantisch!


Die Fahrt ging ganz schnell. Ich glaube noch nicht mal 10 Minuten, dann waren wir schon drüben. Lu Düsenbär mitten in Manhattan, was für ein Erlebnis. 


Ich konnte schon von Weitem das neue One World Trade Center sehen. Das ist wahnsinnig groß. Leider war die Aussichtsplattform noch nicht eröffnet. Erst im Mai wird sie eingeweiht. Anke hat mir versprochen, dass ich da auf jeden Fall mal hoch darf. Das wäre cool.

Und dann waren wir auch schon auf der Außenfläche des Memorials. Es war noch ganz früh am Morgen und wenige Menschen dort. Die Sonne stand noch nicht hoch am Himmel und es war ein wunderschönes Licht. 


Es stehen ganz viele Bäume dort und es sind zwei riesige große Wasserfälle dort.
Sie wurden in den Grundrissen der ehemaligen Tower gebaut zum Gedenken an die Opfer von 9/11.


Anke hat mir erzählt dass am 11. Sep. 2001 zwei Flugzeuge in die Tower geflogen sind und diese dann eingestürzt sind. Ganz viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen und hier ist jetzt dieses Memorial gebaut worden, damit man einen Ort hat um die Opfer in Ehren zu halten.  

Ich war damals gerade erst auf der Welt, deshalb wusste ich nicht viel darüber. Sie hat mir erzählt, dass die Häuser fast so groß waren, wie der neue Tower.


Es ist eine schöne Gedenkstätte. Weißt du, damals ist etwas Unglaubliches passiert. Man hat unter all dem Schutt, der Asche und den Trümmern einen Birnbaum gefunden. 


Er hatte fast alle Äste verloren, hat teilweise gebrannt und sah ganz schlimm aus.
Sie haben diesen Baum ausgegraben und in einen Park gebracht, weil sie wollten, dass es ihm wieder gut geht. 

Zuerst hat man nicht daran geglaubt, dass er das überlebt. Der Baum wollte aber leben. Er fing wieder an zu blühen und neue Äste auszutreiben.


Als das Memorial fertig gebaut wurde, hat man ihn hier wieder eingepflanzt. Luisa, er sah so toll aus. Dieser Birnbaum stand dort in voller Blüte. Wunderschön. 



Man kann ganz genau sehen, wo die alten dicken knorrigen Äste abgebrochen waren und die neuen frischen Äste wieder gewachsen sind.


Stark, kraftvoll und mutig steht er dort. Seine tiefen Wunden sind verheilt und er steht dort wie zum Trotz. Er hat so viel Schlimmes mitgemacht, aber er hat nie aufgegeben, genau wie viele Leute damals, die diesen furchtbaren Tag mit erlebt haben. Ich fand die Geschichte von dem Baum so toll. Er heißt Survivor Tree und er ist für mich der schönste Baum, den ich je gesehen habe.


Dann waren wir noch in dem neuen Museum. Dadurch, dass wir so früh morgens dort waren, war noch gar nichts los. Wir haben zwei ganz reizende alte Ladys kennen gelernt. 


Sie haben erzählt, dass sie schon seit 65 Jahren befreundet sind. Sie wohnen mittlerweile in verschiedenen Staaten und sind nach New York gekommen, um ihren 80. Geburtstag zu feiern. Toll. Ich wünsche mir auch, dass ich mal einen Freund über so lange Zeit habe. Das ist etwas ganz besonderes.


Das Museum war unwahrscheinlich  beeindruckend. Ich konnte dort Dinge sehen, die wirklich von dieser schlimmen Zeit stammten. Das Museum ist ziemlich gedimmt beleuchtet, fast wie in einer Kirche. Alle waren ganz ruhig dort drin. 


Mich haben die ganzen Ausstellungsstücke und die Filme und Audioaufnahmen sehr beeindruckt. Ich kannte es ja nicht. Meine Düsenmutti hat mir erzählt, dass jeder, der diesen Tag erlebt hat, noch genau weiß, was er gemacht hat oder wo er gerade war, als die Nachricht kam. So ein weltbewegendes Ereignis war das.



Man konnte einen echten Feuerwehrwagen sehen, der durch die Trümmer stark beschädigt wurde, dicke Stahlträger die sich gebogen haben wie Gummi und auch ein Stück von der Antenne des alten World Trade Centers konnte man sehen und sehr viele andere Dinge. 





Das Museum ging immer tiefer unter die Erde, wo noch die Originalmauern der alten Gebäude waren. Sehr beeindruckend. Es ist quasi unter den Grundrissen der Originalgebäude gebaut worden.


Dann sind wir wieder zurück zum Hudson River gegangen. Strahlend blauer Himmel hat uns begleitet. Zurück sind wir mit einem Wassertaxi gefahren, das wie die echten Taxis hier in New York auch ganz gelb war.




Wir sind zum Liberty State Park rüber gefahren. Das ist ein wunderschöner Park. Hier kann man toll Spazieren oder Joggen gehen und den Tag vertrödeln. 


Dort ist das Empty Sky Memorial. Es würde für all die Opfer errichtet, die aus New Jersey stammten. 




Meine Düsenmutti hat gesagt, je nachdem, aus welchem Winkel man dann in Richtung Manhattan schaut, sieht das Empty Sky Memorial so aus, wie die Tower, die eingestürzt sind. 

Und es stimmt. Ich habe ja im Museum gesehen, wie die Skyline früher ausgesehen hat. Wenn man dann mit etwas Abstand das Empty Sky Memorial anschaut, dann sieht es wirklich so aus, wie auf dem Foto.
Im Liberty State Park ist man auch ganz nah an der Statue of Liberty. 


Man kann von hier aus mit einer Fähre dorthin fahren. Dazu hatten wir aber leider keine Zeit. Es sind auch ganz alte Fähranleger aus Holz dort. Die sind schon total verwittert. Sieht irgendwie klasse aus. Das alte verwitterte Holz und die moderne Skyline im Hintergrund.


So, jetzt war es aber auch leider schon wieder Zeit Richtung Hotel zu fahren. Wir waren schon 5 Stunden unterwegs und sind über 12 km gelaufen. Uns taten ganz schön die Füße weh. Zurück sind wir die Washington Street entlang geschlendert, die führt durch den historischen Stadtteil von Jersey.


Da sind ganz schöne alte Häuser. Überall waren Kirsch- und Birnbäume in voller Blüte. Ein Meer von rosa und weißen Blüten. Du kannst dir nicht vorstellen, wie betörend das überall geduftet hat. Konnte mich gar nicht satt daran sehen. Im Hotel haben wir uns noch ein bisschen Schlafen gelegt vor dem anstrengenden Rückflug.

Diesmal war er wirklich sehr anstrengend. Wir hatten ein Medical. Das heißt einem Gast ging es nicht gut. Wir mussten sogar einen Arzt ausrufen. Die Flugbegleiter sind zwar auch sehr gut medizinisch ausgebildet, aber wenn ein Arzt am Bord ist, dann fühlt sich doch jeder wohler.


Es waren sogar zwei Ärzte an Bord und sie haben sich dann um den Gast gekümmert. Wir haben einen ganz großen Arztkoffer an Bord mit allem drin, was ein Arzt benötigen könnte. Zuerst wurde sogar überlegt, ob wir irgendwo Zwischenlanden müssten, da es dem Gast wirklich nicht gut ging. 



Die Ärzte haben aber dann entschieden, dass sie ihn mit Hilfe der Medikamente und Utensilien im Koffer auch während des Fluges behandeln konnten. Sie sind während des ganzen Fluges bei diesem Gast geblieben. In Frankfurt ging es dem Gast dann auch wieder besser. Das war ganz schön aufregend.


Dann habe ich noch kräftig in der Galley mitgeholfen. Wagen auf- und abbauen, Kaffee kochen, den Müll in die Presse gesteckt, die Öfen wieder eingeräumt und vieles mehr.


In der Wache habe ich dann die kleinen Dosenverschlüsse von allen Dosen abgemacht. Die sammeln die Flugbegleiter nämlich. Sie unterstützen damit ein Projekt, dass in Thailand aus diesen Verschlüssen Prothesen für kranken Menschen herstellt. Toll. 


Also habe ich schön brav alle Verschlüsse abgemacht und in die Tüte gesteckt. Auf der Basis in Frankfurt werden die Tüten dann gesammelt.

Es war ein unglaublicher Umlauf. Ich habe so viel erlebt und gemacht und das alles in nur 24 Stunden in New York. Jetzt muss ich die ganzen Eindrücke erst einmal verarbeiten. Ich habe aber ganz viele tolle Fotos für dich gemacht!

C U
dein Lu

©Anke Moessner 2015