Lu Düsenbär

Lu Düsenbär

Montag, 9. März 2015

Ein Afrikanische Sprichwort sagt - Ein Floh kann einem Löwen mehr zu schaffen machen als ein Löwe einem Floh

Jambo liebe Luisa,

so sagt man hier Hallo. Wo? fragst du? Na warte ab, ich erzähle es dir. 

So, los geht es :-)

Ich kann dir sagen, heute ging es mit meiner Düsenmutti Sybille nach Johannesburg. Das liegt  in Südafrika, ganz an der südlichen Spitze des Kontinents Afrika. 

Meine allererste Reise auf diesen Kontinent. Er grenzt an den indischen und atlantischen Ozean. 

Johannesburg selber liegt aber im Inneren des Landes. Hier leben über 900.000 Menschen. 

Im Moment  ist hier gerade Sommer, obwohl bei uns doch noch Winter ist :-) Also habe ich meine Badehose eingepackt und die Sonnenbrille. 

Hier ist es nur eine Stunde später als zu Hause bei uns in Deutschland. Weißt du Luisa, wenn man nach Westen oder Osten fliegt, dann durchfliegt man viel mehr Zeitzonen. 

Wenn man nach Süden oder Norden fliegt, bleibt sie fast gleich. Das fand ich sehr interessant. Bis jetzt haben mich meine Reisen ja immer nach Asien oder Amerika gebracht. Da war der Zeitunterschied ganz groß. 

Es hat mich überrascht, dass das nach Afrika nicht so war. Am Ankunftstag sind wir nach 10 Stunden Flugzeit in der First Class, weil da arbeitet meine Düsenmutti die ich diesmal begleitet habe oft, erst mal Schlafen gegangen. 
Das war dann eher wie ein Mittagsschlaf für kleine Kinder, hat aber trotzdem gut getan. Nur nicht Mama verraten, sonst hat sie wieder dieses Grinsen auf dem Gesicht. 





Danach haben wir die Wärme genossen und sind einen grünen Smoothie (da machen die alles rein was an grünem Gemüse und Obst so in der Küche ist) und einen Kaffee in der Sonne auf der Terrasse des Dopio Zero trinken gegangen. 


Guck mal, die malen hier in den Milchschaum. Das möchte ich auch können. Sieht schön aus, oder?

Ich war ganz schön froh meine Sonnenbrille dabei zu haben.  Die habe ich hier wirklich gebraucht. Ich hatte das Gefühl, dass die Sonne hier viel stärker und heller scheint, als bei uns zu Hause. 

Abends waren wir dann Steak essen im Katzy´s auf der Terrasse. Mit gaaanz vielen Kollegen und Kolleginnen. Denn nach Johannesburg fliegt die A 380 und da passen gaaaanz viele Menschen rein, wie du weißt und deshalb fliegen da über 20 Leute in der Crew mit, um aufzupassen. 

Ich finde das immer sehr schön. Das ist so ein bisschen, wie bei unseren Familienfeiern zu Hause. Man erzählt ganz viel, lacht, isst gut und bleibt lange sitzen. So gemütlich.

Ein paar haben danach noch zur Live-Band das Tanzbein geschwungen. Meine DüMu und ich waren aber k.o. Bin ja kein Tanzbär. Wir sind lieber erst einmal schlafen gegangen.   

Johannesburg liegt über 1700 Meter über dem Meeresspiegel. Frankfurt liegt nur ca.100 m über dem Meeresspiegel. Man kommt sich also hier ein bisschen vor wie in den Alpen. Das macht sehr müde! Der Sauerstoffgehalt in der Luft ist geringer. Da merkt man Anstrengungen schon viel schneller und man kommt auch schneller aus der Puste. 

Am nächsten Tag haben wir das schöne Wetter genossen und es uns am Pool gut gehen lassen. Meine Düsenmutti hat erzählt, dass man hier auch echte Löwen, Elefanten, Giraffen und andere Tiere sehen kann.


Schau mal, sie hat mir sogar Fotos mitgebracht. Diesmal konnten wir diesen Ausflug leider nicht machen, aber sie hat mir alles ganz genau erzählt und ich konnte mir das so richtig gut vorstellen.  



Ganz ehrlich Luisa, ich war auch ein klein wenig froh, dass wir da nicht hin gefahren sind. Ich glaube ich hätte Angst gehabt und wäre gar nicht aus dem Auto gestiegen. Das ist nicht wie bei uns im Zoo. 


Die Tiere leben hier in freier Wildbahn oder Reservaten und laufen einfach so rum. So wie die Rehe bei uns im Wald. Stell dir mal vor, ich kleiner Bär würde auf einmal einem riesigen Elefanten oder Löwen gegenüber stehen. Uahhhhh, ich glaube ich hätte riesige Angst. 


Sie sind nach Ukutala gefahren. Das ist eine Aufzuchtstation die ca. eine Stunde von Johannesburg

entfernt liegt. Da kann man richtige Löwen sehen. Das hätte ich mich nicht getraut! 

Die hätten mich sicherlich einfach mit einem Haps aufgegessen! Aber die Bilder fand ich toll. Schau nur, was selbst die kleinen Löwenbabies schon für riesige Tatzen haben.

Am Abend waren wir im Local Grill essen. Hier servieren sie Fleisch von freilaufenden Weidekühen und auch von welchen, die mit Mais und Getreide gefüttert werden. Das Fleisch schmeckt dann anders. Hätte ich nicht gedacht, dass man das schmecken kann. 





Wir durften uns die Reifekammer anschauen. Das war mir ebenfalls neu. Das Fleisch reift dort auf verschiedene Weisen, trocken oder nass und über verschiedene Zeiträume. Man kann auf der Tafel sehen, wie lange das Fleisch gereift ist. 


Es bekommt dann einen ganz eigenen intensiven Geschmack. Fast wie beim Käse oder Wein. Je länger es gereift ist, desto teurer wird das Fleisch und desto mehr Geschmacksnuancen entwickelt es.




Wusstest du, dass das Rindfleisch reifen kann?  Wieder etwas dazu gelernt. 



Ich freue mich schon auf das nächstes Mal, da machen wir bei Heinz einen Grillkurs . Hätte ich am liebsten heute schon gemacht. Dann hätte ich mit Papa richtig toll im Garten grillen können. 



Heinz möchte uns dann zeigen, wie man auf Himalaya Salzblöcken und Holz aus Weinfässern Fleisch grillen kann. Das wirkt sich auch noch einmal auf den Geschmack vom Fleisch aus. 


Was man so alles lernt auf Reisen. Heinz arbeitet schon seit einem Jahr im Restaurant Local Grill und ist Schweizer. Nach der Führung und dem guten Esse  gab es dann noch einen leckeren Schnaps für alle Erwachsenen. Ich sag dir Luisa, die Redewendung „Reisen bildet“ stimmt.

Am dritten Tag ging es dann leider schon wieder zurück ins kalte Deutschland! Das ist echt verrückt, dass hier auf der südlichen Halbkugel Sommer ist und bei uns noch Winter. 


Luisa, Luisa, Luisa, was ich in so kurzer Zeit alles schon gelernt, gegessen und gesehen habe. Ich glaube das hätte ich in Deutschland im ganzen Leben nicht geschafft. 


Ich weiß gar nicht, was da auf meinen nächsten Reisen noch alles auf mich zu kommt. Aber ich habe festgestellt, ich freue mich immer mehr auf meine nächsten Reisen. Denn ich möchte noch so viel lernen über andere Länder. Das wird mir immer bewusster. 




Ich drücke dich ganz fest und sage, 


Kwa Heri, so sagt man hier „Auf Wiedersehen“, 

dein Lu

©Sybille Dumitrescu & Anke Mössner 2015

Freitag, 6. März 2015

Sommer im Winter ist schön

Liebe Luisa,

dieses Mal durfte ich gleich mit zwei Düsenmuttis nach Sao Paulo reisen. Das war toll, auch wenn unsere Pläne an den Strand zu fahren, durch die schlechten Wettervorhersagen leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fielen.

Wir sind am Freitag ganz spät abends, um 22 Uhr, in Frankfurt los geflogen. Da war ich so müde, auch durch meine vielen Reisen in letzter Zeit, dass ich den ganzen Flug verschlafen habe. Und dabei macht mir Fliegen doch so viel Spaß! Ich war aber sehr froh, dass ich auf diesem Flug nicht arbeiten musste. So ein Nachtflug ist sehr anstrengend.

Sao Paulo liegt in Südamerika und man braucht 12 Stunden mit dem Flugzeug, bis man dort ist. Ganz schön lang. Die Einwohner von Sao Paulo nennt man Paulistanos. Hört sich lustig an, findest du nicht auch?


Wir sind nach dortiger Zeit ganz früh morgens angekommen. Meine Düsenmuttis, die den ganzen Flug über sehr fleißig waren, mussten sich erst einmal hinlegen. 

Ein bisschen schlafen um sich von dem langen Flug zu erholen. War mir auch recht, habe mich dann schön in mein großes Bett gekuschelt und auch noch eine Mütze voll Schlaf bekommen. 


Als wir aufgestanden sind, habe ich zuerst einmal den wunderschönen Blick aus dem Fenster entdeckt.

Sieh dir mal diese coole Brücke an. Sie heißt Ponte Estaiada Octávio Frias de Oliveira. Was für ein toller Name, oder?

Ist aber auch eine tolle Brücke. Sie ist 1.6 km lang und nachts wird sie ganz schön beleuchtet. Die Farben und Muster ändern sich. Das sieht wunderschön  aus. 
Ich war leider so davon fasziniert, dass ich glatt vergessen habe es zu fotografieren. Werde ich bei meinem nächsten Besuch in Sao Paulo aber sofort nachholen. Das musst du einfach sehen. 

Mittags hat es so geregnet, dass meine Düsenmuttis das Hotel gar nicht verlassen wollten. Da haben sie mit mir gemalt und gespielt. Das war sehr schön. Ich habe mich fast so gefühlt, wie bei uns zu Hause Luisa, wenn Mama mit uns spielt und bastelt. Wir haben auch Verstecken gespielt. Hat ganz schön lange gedauert, bis sie mich hier am Fuss der Statue gefunden hat. 

Abends waren wir mit ganz vielen aus der Crew in einer Churrasceria. Das ist ein ganz traditionelles südamerikanisches Restaurant. Dort gibt es Fleisch in so großen Mengen, wie ich es noch nie gesehen habe. Egal ob Rind, Geflügel oder Lamm.

Dauernd kam ein Kellner mit einem anderen Fleischspieß vorbei und man konnte sich etwas aussuchen. Der Kellner schneidet ein Stück Fleisch für dich ab und man kann sich mit einer kleinen Zange alles auf den Teller legen. 

Wenn man irgendwann mal kein Fleisch mehr möchte, dann hat man hier auf dem kleinen Ständer ein Rädchen. 

Grün heißt: Ich habe noch Bärenhunger. Rot heißt: Ups, ich mach mal ein Päuschen. Meins war am längsten auf grün. 

Eine meiner Düsenmuttis isst kein Fleisch. Das war aber nicht schlimm für sie, denn es gab ein tolles Buffet mit Salaten, Käse und Gemüse und ganz viel Dessert.  

Das Buffet ist riesig und man kann so viele Beilagen holen, wie man möchte. Ich habe natürlich lieber Fleisch gegessen und die Beilagen den Düsenmuttis überlassen. Danach habe ich noch ganz doll beim Dessert zugeschlagen. So viel Auswahl. Mmmmhhhhh. Ein Traum. Es war alles so köstlich! 

Das Fleisch in Südamerika schmeckt anders. Ich weiß nicht, ob es irgendwie beim Grillen anders gewürzt wird oder weil die Tiere anderes Futter bekommen. Mir schmeckt es dort viel besser. 

Ich habe mich gefühlt, wie ein eine wichtige Persönlichkeit. Das Restaurant hat uns alle im Hotel mit einem Bus abgeholt und uns nach dem Essen wieder zurück gebracht. Das nenne ich mal Service. 

Am Sonntag bin ich mit meinen Düsenmuttis Schuhe kaufen gegangen. Frauen lieben Schuhe, habe ich herausgefunden. Geht es dir auch so, Luisa?

Meine Düsenmuttis waren auf jeden Fall ganz schön aus dem Häuschen, weil es da so schöne Schuhe gab. Ich habe den typischen Männerpart übernommen. 

Ich habe es mir dort gemütlich gemacht und meine Meinung zu den verschiedenen Paar Schuhen abgeben. War richtig lustig. 

Man bin ich froh, dass wir Bärenmänner nicht auf solchen Schuhen laufen müssen. Da tun mir schon vom zugucken die Tatzen weh. Wie können die Frauen nur auf solchen Schuhen laufen? 

Als wir zurück ins Hotel kamen, war das Wetter plötzlich ganz wunderbar. 

Die Sonne kam raus, so dass wir an dem Nachmittag unsere Bäuche in die Sonne strecken konnten. Das war so herrlich. Außerdem konnten wir in dem Pool ein bisschen schwimmen und uns abkühlen. 

Das ist etwas, was mich immer noch fasziniert. Weil Südamerika auf der anderen Seite des Äquators liegt, ist hier noch Sommer. Das ist so schön im Winter Sommer zu haben. 

Eigentlich wird es hier nie so richtig kalt. Selbst im Winter fällt der Thermometer selten unter 10 Grad. Man hat erst ein Mal Schnee in Sao Paulo gehabt, das ist aber schon ganz lange her. Ich glaube es war 1918. Unglaublich, oder? Stell dir einen Winter ohne Schnee vor. Wäre doch komisch. 

Abends sind wir nochmal alle zusammen Essen gegangen. Das war ein tolles Restaurant. Es stand ein Grill auf dem Tisch und ich konnte mir mein Fleisch selbst braten. Hier durfte ich das. Zu Hause erlaubt Papa mir ja nicht zu grillen, hier durfte ich das. Mega cool. 

Es war so schön da, weil wir unter freien Himmel saßen und viele nette Menschen unterwegs waren, die mich auch gerne kennenlernen wollten. Die Brasilianer sind so freundlich und offen. 

Ein Junge hat mit mir jongliert und mir sogar gezeigt, wie man Saltos macht. Das war ein Spaß! 
Danach war mir aber auch ein kleines bisschen schlecht. Hätte das besser vor dem Abendessen machen sollen. Schlechtes Timing, passiert mir auch nicht noch mal.

Südamerika könnte glatt zu meinen Favoriten gehören. Hier wird ganz viel Fleisch gegessen und die Menschen hier sind so fröhlich und nett zu einem. 

Weißt du was komisch war. Hier spricht man portugiesisch. Ich habe gedacht, die würden dort auch spanisch sprechen, wie sonst überall in Südamerika. 

Aber Brasilien ist das einzige Land in Südamerika, wo man portugiesisch spricht. Brasilien ist ein Einwanderungsland. Hier spricht man insgesamt 188 verschiedene Sprachen und Dialekte. Unglaublich, oder? Es gibt sogar viele Gemeinden in Brasilien, wo Deutsch die zweite Amtssprache ist. Das hätte ich nicht gedacht. 

Weißt du was? Mir ist aufgefallen, dass Aua bis jetzt in jedem Land das gleiche bedeutet. Egal wo ich bis jetzt war. Wenn man sich weh getan hat, sagt man Aua. 

Am letzten Tag haben wir nochmal das warme, sonnige Wetter genossen und waren schwimmen. Einfach mal ein bisschen ausspannen tut auch gut. Dann war meine Zeit in Sao Paulo auch schon wieder vorbei.

Die Fahrt mit der Crew zum Flughafen war super für mich. Möchtest du wissen warum? 

Die Piloten haben mir versprochen, dass ich den ganzen Rückflug im Cockpit verbringen darf. Das war so toll! Sie haben mir alles genau erklärt und gezeigt. Sie habe mich für diesen Flug zum „Ehren-Senior-First-Officer“ ernannt. 

Guck mal, ich habe sogar für diesen Flug Ärmel mit Streifen bekommen. Ich finde, die stehen mir richtig gut. Ich habe mich ganz toll damit gefühlt. 

Sie haben gesagt, ich sei ihr Talisman. Das hat mich so stolz gemacht.  Das coolste war aber Sao Paulo aus der Luft zu sehen.

Sao Paulo liegt ja in Brasilien. Das ist ganz weit weg. Es ist der fünf größte Staat der Erde. Vielleicht erinnerst du dich an die Fußballweltmeisterschaft letztes Jahr. Diese fanden 2014 unter anderem in Brasilien statt und viele Spiele wurden auch in der großen Arena in Sao Paulo abgehalten. 

Ich habe so gehofft mit dem Siegerflieger nach Sao Paulo zu fliegen. Das wäre das Coolste gewesen. Hat aber leider nicht geklappt. 

Die Stadt ist unvorstellbar groß, Luisa. Von oben konnte man das ganz besonders deutlich sehen. Dort leben fast 12 Millionen Menschen. Ich kann mir selbst gar nicht vorstellen, wie viele Menschen das sind.

Ich hoffe dir gefallen unsere Bilder und ich mache dir eine Freude damit.

Ganz liebe Grüße meine liebe Luisa, 

dein Lu

©Vljbona Braimi & Anke Mössner 2015


Dienstag, 3. März 2015

FŪRYŪ - die Kunst sich über schöne Dinge zu freuen

Meine liebe Luisa,

es war schön Dich mal wieder zu Hause zu sehen. Hatte mir gar nicht gedacht, dass ein Praktikant so viel zu tun hat.

Also, schon bin ich wieder weg.  Dieses Mal geht es nach Tokio, der Hauptstadt von Japan. Dort sagen sie "Konnichiwa" zur Begrüßung und verbeugen sich vor ihrem Gegenüber. Nix mit Händeschütteln. 

Unsere Buchstaben benutzen die Japaner auch nicht. Eher schaut es lustig aus mit diesen Symbolen. こんにちは - Guten Tag !

Japan liegt ganz rechts auf der Landkarte, also östlich von uns, dort wo die Sonne aufgeht, und besteht aus ganz vielen Inseln. Japan liegt auch auf so einer Erdplattengrenze. 

Deswegen gibt es da häufiger Erdbeben, wo der ganze Boden sich schüttelt. Aus diesem Grund haben die Japaner gelernt Häuser zu bauen, die trotzdem nicht umkippen, wenn sie geschüttelt werden. Krass würdest du sagen!

Tokio ist riesengroß, über 35 Millionen Menschen leben in oder um die Stadt herum. 

Im Zentrum der Stadt können nicht alle leben, da es dort wenig Platz gibt und ganz viele Hochhäuser.


Der Flug war unglaublich lang. 11 Stunden im längsten Flugzeug der Welt, der A340-600



Ich durfte in der First Class sitzen, weil meine Düsenmutti da arbeitet. Ich wurde gleich von ihr und der japanischen Flugbegleiterin verwöhnt. 

Dicker Sitz, leckeres Essen, fernsehen und schlafen. Fast wie daheim auf dem Sofa bei Dir, Mama und Papa.


Meine Düsenmutti hat mich schnell noch in der Küche geküsst, damit ich sie nicht so vermisse. 


Aber sie muss sich ja schließlich um alle Gäste, die Piloten im Cockpit und ums Essen kümmern. 




Ihre Kollegin Madoka hat sehr elegant das Essen serviert. Muss schon sagen - sehr schick diese Erste Klasse.

Schnell ins Hotel, frisch machen und gleich los. Wir wollten schließlich keine Minute ungenutzt lassen.

Ich kann dir gar nicht sagen wie bunt und schräg die Leute hier aussehen. 


Meine Düsenmutti, ihre Freundin und ich sind zuerst mit der Schnellbahn/Metro nach Harajuko gefahren, wo es viele lustige Läden und verrückte Japaner gibt. 


Fahrkarte aufladen und los. Die Bahnen sind nicht immer so leer. 

Manchmal gibt es extra auf dem Bahnsteig Leute, die helfen ganz viele Menschen in den Zug zu drücken. 

Ich kam aus dem Schauen gar nicht raus, alles blinkt und blitzt, überall ist Musik, sogar an der Metro-Station habe ich Vogelgezwitscher gehört. 


Die Takeshita Street ist echt bekannt bei jungen Leuten. Da passe ich auf jeden Fall gut dazu.

Und nun muss ich dir mal ein Geheimnis verraten. 

Ich glaub, ich hab mich ein bisschen verguckt… In einem Laden war ich einkaufen. Und da habe ich SIE getroffen. 

Sie war auch in dem Laden und hat mich total lieb angelächelt. Sie hat so weiches Fell und ganz hübsche Blümchen im Haar und an den Beinchen.

Ihr Name ist Sakura Kitty. Irgendwie haben wir uns gleich gemocht. 


Die meisten Namen in Japan haben eine schöne Bedeutung: Sakura heißt Kirschblüte, ist das nicht niedlich?

Sakura hat mir erzählt, weil ich so neugierig gefragt habe, dass in Japan die Blüte der Kirschbäume ganz doll gefeiert wird weil es das Ende des Winters ist. 

Die Bäume tragen aber keine Kirschen, nur so wunderschöne Blüten, alle Parks sind dann ganz weiß und hellrosa. 

Die Japaner kommen zum picknicken in die Parks, legen sich unter die Bäume und erfreuen sich am Blütenmeer. Aber das gibt es nur ein paar Tage und dann ist der Zauber wieder vorbei. Das nennt sich dann Hanami

Ab diesem Moment haben wir beschlossen möglichst viel Zeit zusammen zu verbringen. Denn Sakura Kitty kennt sich natürlich wunderbar aus in ihrer Heimatstadt. Und ich bin froh, dass ich eine so klasse Freundin gefunden habe.

In Harajuko gibt es einen Laden, der heisst Labor. Japaner sind berühmt dafür, dass sie Roboter und Elektronik und neueste Technik entwickeln und testen

Luisa, da kann man mit Robotern spielen. Wenn man das macht, lernen diese elektronischen Wesen fast wie ein Mensch zu sein. Dieser hier war sehr nett und konnte sogar deutsch sprechen, wenn man es eingestellt hat. 

Er war richtig nett zu mir und wollte mit mir Fußball spielen. Leider hat meine Düsenmutti darauf nicht wirklich Lust. Schade. 

Nach dem Einkaufsstress in Harajuko hatten wir echt richtig Hunger. 

In Japan isst man meistens Sushi, das ist roher Fisch auf Reis. 


Manchmal auch in grüne Algen gerollt und mit lustig aussehender Verzierung oder einfach nur draufgelegt. 

Klingt echt komisch, hat aber sehr lecker geschmeckt. Wir waren in einer Sushi Bar. Da fährt echt das Essen an einem vorbei und man kann sich nehmen was man mag. 

Der Fisch ist ganz zart. Meine Düsenmutti hat mir gezeigt, wie man das Sushi mit Stäbchen isst. 


Oh man Louisa, das war was. Irgendwie hab ich mich ganz doof angestellt diese dünnen Stäbchen zwischen meinen Tatzen zu halten und nur das obere Stäbchen zu bewegen. 

Macht nichts, hab dann ohne Stäbchen gegessen und es in die braune Soja-Soße getaucht. 


Die Erwachsenen essen noch so ne grüne Paste dazu, die sie Wasabi nennen. War mir aber zu scharf, so dass ich gleich weinen musste. 

Außerdem essen die hier auch gerne Nudelsuppen mit viel Gemüse und ganz viel Meeresfrüchte, weil Tokio ja am Meer liegt. 

Und dann gibt es etwas, das schaut aus wie Knödel. War sehr lecker mit der Bohnenpaste drin. Schlage ich Mama mal vor, dass wir auch sowas kochen. Muss ja nicht immer Marmelade im Knödel sein. 

Bin satt ins Bett gefallen. Zuhause hätte ich Theater gemacht. War nach unserer Uhr erst 16 Uhr nachmittags. Da würde ich ja nie freiwillig schlafen gehen. 

Aber großartige Erlebnisse und Kribbeln im Bauch machen müde. Am nächsten Morgen musste ich auch ganz fit sein, denn da haben wir was Besonderes gemacht. 

Ich bin gejoggt!!  Durch Tokio. Zusammen mit vielen Leuten aus der ganzen Welt. Hier ist nämlich der Tokyo Marathon. Ich habe beim kleinen Lauf mitgemacht, dem International Friendship Run, also einem Freundschaftslauf. 


Meine Düsenmutti ist eine begeisterte Läuferin und hat uns alle zusammen einfach angemeldet. 



Hat gemeint, es wäre doch schön durch Tokio zu laufen mit vielen anderen Menschen aus der ganzen Welt und Spaß zu haben. 

War echt lustig, viele Läufer waren verkleidet wie im Fasching, ich hab Kängurus aus Australien, Leute aus Malaysia, japanische Comicfiguren, Superhelden und verschiedene Tiere gesehen.



Und alle sind die 5 km gelaufen. Haben sich gefreut, miteinander geredet und Telefonnummern und Email-Adressen ausgetauscht. 

Die Welt kann so schön sein. 



Und am Schönsten war, dass Sakura mich angefeuert hat. haben natürlich ein Fanfoto zusammen gemacht.


Abends hatte ich ein bisschen Heimweh. Zum Glück habe ich eine Telefonzelle gefunden. 

War aber schwierig mit der japanischen Anleitung. Dann hatte ich Papa an der Strippe. 

Das hat mich beruhigt und ich habe ihm alles erzählt was ich bisher erlebt habe. Danach bin ich schnell zu meiner Düsenmutti auf’s Zimmer. 

Die hat sich schon Sorgen gemacht und mich dann ganz feste in den Arm genommen. Alles wieder gut.

Und am nächsten Tag haben wir uns den Marathon angeschaut. Da müssen die echt lange laufen, über 42 km ohne aufzugeben. 

Ich weiß ja nicht, ob ich das so mit meinen Beinchen durchhalten würde, aber die Menschen sind echt zäh und wollen das einfach. 

Der Gewinner hat nur 2 Stunden gebraucht und kommt aus Afrika. 

Die Strecke geht quer durch die Stadt, vorbei am Kaiserpalast, den Wolkenkratzern, über Brücken zu Tempeln und überall stehen Menschen und jubeln den Läufern zu, geben ihnen was zu trinken und freuen sich. 

Ich hab mich auch gefreut, denn eine Düsenmutti aus der Crew ist mitgelaufen und wir haben sie angefeuert. Boah, hat die mich beeindruckt. 

Die Marathon-Düsenmutti aus der Crew hat mir mal ihre Medaille umgehängt. Darauf ist man bestimmt mächtig stolz, wenn man das geschafft hat. Wenn ich groß bin will ich das auch mal probieren…

Nach dem Lauf haben Sakura und ich zusammen den ganzen Nachmittag Tokio unsicher gemacht. 

Wir haben uns zusammen so viel angeschaut und hatten ganz viel Spaß. Es hat ein bisschen geregnet. Also ab unter einen Bären-Regenschirm. Extra für uns gemacht.

Und Sakura war kalt. Da habe ich ihr meinen Pullover geliehen. Wollte nicht, dass sie sich eine Erkältung holt. 

Wie ist es eigentlich gerade zuhause mit der Grippewelle? Höre, dass fast jeder krank ist und diesen blöden Husten hat.



Wir haben den großen Tempel Asakusa in Tokio besucht. 

Die meisten Japaner sind Buddhisten oder Zen-Buddhisten. Woran die wirklich glauben, kann ich dir nicht erklären ( hihi…ich habe es selbst vergessen, obwohl meine Düsenmutti das erklärt hat ). 

Aber da gibt es viele schöne Rituale mit Räucherstäbchen und Glückspapieren, Wunschzetteln, Reinigung mit Wasser und Verbeugungen vor den Göttern.

Habe einfach mitgemacht. 


Und dann kamen diese Japaner in den traditionellen Gewändern.
Die Frauen tragen einen Kimono und die Männer einen Jimbei. 

Die Schuhe heißen Geta und sind eigentlich ziemlich coole Snowboards finde ich.



Sind ganz schnell in die Bahn gesprungen nach Shibuya gesprungen. 

Das ist auch ein Viertel in Tokio, wo sich abends die jungen Leute amüsieren. 

Die finden Pachinkos ganz toll. So Maschinen wo man Geld gewinnen kann. Die machen einen Höllenlärm und so kleine Kids wie ich dürfen da gar nicht rein. 

Aber meine Düsenmutti hat mir mal ein Foto gezeigt

In Shibuya gibt es überall Leuchtreklamen und immer so viele Menschen. Da gibt es zum Beispiel eine weltberühmte Straßenkreuzung, wo gleichzeitig aus allen Richtungen ganz viele Menschen bei Grün über die Straßen gehen. 

Da hat es mich glatt umgehauen und ich habe planking auf der Strasse gemacht. Alle mussten über mich lachen. 

Außerdem ist hier das Denkmal von Hachiko, dem Hund der jeden Tag sein Herrchen von der Metro abholte. Und nachdem sein Herrchen starb ist der Hund trotzdem jeden Tag zum Bahnhof gegangen und hat auf ihn gewartet. Hunde sind echt klasse. Fast so wie Bären.

Sakura und ich wussten, dass das unser letzter gemeinsamer Tag ist, denn das Wochenende ist vorbei und sie muss sich wieder um ihre Arbeit kümmern und ihre Familie. 

Bin ein bisschen traurig natürlich. Aber ich freue mich umso mehr, dass ich sie kennenlernen konnte. 

Furyu nennen das die Japaner, wenn man sich einfach freut über schöne Dinge. Das Schriftzeichen ( ich habe es ganz oben über diesen Brief geschrieben ) bedeutet “flieg mit dem Wind”. 

Man freut sich einfach so aus sich heraus über Menschen und Sachen, Natur und Bilder, so wie der Wind eben auch einfach bläst. Das finde ich aber mal eine tolle Einstellung.


Wir haben die gemeinsame Zeit wirklich noch wunderbar ausgekostet. Habe ihr eine Blume geschenkt. 

Beim Abschied hab ich ihr ein Bussi gegeben. Im Park war aber niemand und keiner hat’s gesehen. Ich hoffe sehr, dass ich bald wieder nach Tokio fliegen kann oder Sakura Kitty kommt zu mir und ich kann ihr mal Deutschland zeigen... und du kannst sie auch kennen lernen

Nun ist also unser letzter Tag, und meine Düsenmutti fährt mit mir und ein paar anderen aus der Crew in die Berge. 

Meine Düsenmutti hat sich nämlich ihren Führerschein auf Japanisch übersetzen lassen, damit sie hier auch Auto fahren kann. Ich bin erst mal gleich auf der falschen Seite eingestiegen und saß plötzlich hinterm Steuer. Ooops. 

Da hat mich Düsenmutti auf die linke Seite rübergesetzt. Die Japaner fahren nämlich auf der anderen Straßenseite als in Deutschland. 

Also Linksverkehr. Und deswegen ist das Steuer rechts. Und das ist ja sonst meine Seite. 

Verrückt, dass die Düsenmutti das hinbekommt. Nur wenn sie blinkern will, macht sie oft aus Versehen den Scheibenwischer an, weil die Hebel auch vertauscht sind. Hab mich schlapp gelacht. Sehr lustig.

In den Bergen war noch Schnee und ganz tolle frische Luft. Gute zwei Stunden hat unsere Fahrt nach Nikko gedauert. Da ist eine große Tempelstadt, die man früher nur über die heilige Shinkyo-Brücke erreichen konnte. 

Und da durfte nur der Kaiser oder seine Gesandten drüber gehen zu den Mönchen.

In Nikko gibt es den berühmten Toshogu Schrein. 

Alles glänzt mit dem Gold und den schönen Farben. Besonders schön war es jetzt natürlich noch mit dem Weiß des Schnees.

Hatte natürlich gleich wieder kalte Füße. Aber wollte dir zeigen wie das aussieht

Dann habe ich diese Schnitzerei an einem Tempel entdeckt und meine charmanten Begleiterinnen gefragt, was das denn bedeuten soll hier mit diesem Affentheater. 

Der eine hält sich die Ohren zu, der andere den Mund und der Dritte die Augen. 

Stell dir mal vor, wir würden das mit Mama und Papa machen. Na die wären sauer, wenn wir nicht hören, sprechen oder zugucken. Aber hier hat das natürlich eine andere Bedeutung. Man soll nämlich nichts Böses hören, nichts Böses sagen und nichts Böses sehen. Das tut den Lebewesen gut, finden die Japaner. Finde ich auch. 

Ach Louisa, was für ein tolles Land. Es hat mir richtig gut getan hier. Alles ist so ganz anders, so fremd, man kann gar nichts lesen und kein Wort verstehen. Aber die Leute hier sind so nett und lustig und helfen dir immer weiter.  

Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Düsenmutti Ausflug, dann kann ich denen von den verrückten Japanern erzählen…..aber erst mal erzähle ich nach der Rückkehr alles Dir. 

Also halte dich bereit und bring Zeit mit. Habe dir auch was mitgebracht und zeige Dir schon mal einen Ausschnitt. Das ist ein japanischer Comic. Die nennen das hier Manga. Echt abgefahrene Zeichnungen. Da kannst Dich wirklich drauf freuen.

Unsere Frau Kapitän hat erzählt, dass wir viel Gegenwind auf dem Weg nach Hause haben. Es dauert wirklich 12 Stunden und 15 Minuten bis wir wieder landen.

Ich werde viel schlafen und träumen. Von Dir und unserem Wiedersehen. Von Sakura Kitty und von Tokio, der Stadt, die mein Herz erobert hat. Bis ganz gleich,

dein Lu

P.S.: Gucke, Tokio sieht auf Japanisch geschrieben aus wie 2 Fernseher auf Beinen. Schon wieder so eine lustige Nummer 東京 Tokio

©Autoren Isa Knudson und Gabi Rottler 2015