Lu Düsenbär

Lu Düsenbär

Samstag, 12. September 2015

Lu in Texas und.... wie findet eigentlich eine Pilotenausbildung statt???

Liebe Luisa,

ich bin so aufgeregt. Das muss ich dir schnell schreiben. Heute war ich total überrascht! Ich habe so lange gewartet am Check In  in Frankfurt bis jemand mich mitnehmen wollte, dass ich fast eingeschlafen war. Endlich hat mich um 20:00, schon längst nach meiner Bettzeit, eine Düsenmutti mitgenommen.  


Ich war schon am dösen, da habe ich meinen Namen gehört. Ganz müde habe ich um die Ecke gelinst und war total überrascht. Irgendwie waren auf der Uniformjacke zu viele Streifen. Aber ich habe doch richtig gesehen und gehört und mich so unglaublich gefreut, Luisa. Da stand eine ganz liebe Kopilotin aus den Niederlanden!

Stell dir das mal vor! Eine Pilotin hat mich mitgenommen. Boahh! Ich habe mich richtig geehrt gefühlt, damit hätte ich ja nie im Leben gerechnet. Sie fragte mich, ob ich Lust hätte und mit ihr mitkommen wollte nach Dallas, Texas. Du kannst dir bestimmt vorstellen, Luisa, dass ich gleich "JA" geantwortet habe…. Wie cool ist das denn? Ich war im Fliegerhimmel. Lu und die Pilotin! Ein ganzer Flug im Cockpit. YES! Mein Herz hat gerast und ich war so unglaublich aufgeregt. Ein Traum!
Ich durfte gleich ins Cockpit mitkommen, wo meine Düsenmutti mich den netten Cockpit-Kollegen Tom, Matthias und Bennie vorgestellt hat. Ach ja, der Name meiner Düsenmutti war Anja, habe ich doch in der Aufregung fast vergessen dir zu schreiben. 

Es hat mich so viel Spaß gemacht, Luisa, ich habe auch total viel gelernt was man so im Cockpit macht. Meine Düsenmutti hat erzählt dass sie schon seit 2001 fliegt, aber dass sie jetzt umgeschult wird als Langstreckenpilotin. Das ist was ganz anderes. Man muss dann quasi den „Flugzeugführerschein“ für dieses Flugzeugmuster neu machen. Stell dir mal vor, wir müssten für jedes Auto einen neuen Führerschein machen. Bei den Piloten und den Flugbegleitern ist das so. Wenn sie den Flugzeugtyp wechseln, müssen sie eine neue Lizenz machen, weil es so viele Besonderheiten für jedes Flugzeug gibt.

Sie hat zuerst 2 Monate Simulatorausbildung gemacht, weil so ein großes Flugzeug darf man nicht sofort fliegen. Im Simulator lernt ein Pilot wie man das Flugzeug fliegt. Unter jeder Bedingung, die man sich nur vorstellen kann. Da wird alles geübt. Normale Landungen, Notlandungen, verschiedene Wetterverhältnisse, fliegen mit technischen Problemen am Flugzeug und noch vieles, vieles mehr. Ganz schön spannend.  Erst wenn alles sehr gut läuft, und der Pilot den Test bestanden hat, darf er ins richtige Flugzeug einsteigen. Dann sitzt ein erfahrener Kapitän daneben und oft ein Check-Pilot.

Meine Düsenmutti durfte selber steuern, Luisa! Von Frankfurt aus sind wir über die Niederlande geflogen, ab nach England und danach dauerte es sehr lange bis wir fast den Nordpol erreicht haben.
Das Land was du hier siehst heißt Grönland. Es ist da so kalt, Luisa, dass es immer Eis und Schnee gibt, auch im Sommer! Wenn du gut auf dem Bild schaust, siehst du auch Gletscher! Aus dem Warmen betrachtet, ist es allerdings wunderschön. Ich schaue total gerne aus dem Fenster, wenn wir über Grönland fliegen. Die Farben sind so toll. 




Ich durfte die ganze Zeit im Cockpit aus dem Fenster schauen. Wir sind stundenlang über Wasser geflogen, so dass ich nur Ozean gesehen habe und sonst nichts. Luisa. Ich wusste nicht, dass die Piloten so viel Arbeit haben während des Fluges! Die ganze Zeit mussten die Piloten kontrollieren, ob alles in Ordnung ist mit dem Flugzeug. 

Dafür gibt es einen tollen Supercomputer, Luisa, der Computer heißt ECAM. Dieser Computer überprüft alle Systeme des Flugzeuges und wenn etwas nicht in Ordnung ist, wird es automatisch angezeigt. Dann müssen die Piloten sehen, was zu tun ist und drauf reagieren. Jede halbe Stunde hat der Pilot überprüft, ob noch genügend Sprit dabei war. Wäre ja schlimm, wenn der Sprit ausgeht. Das wird alles notiert auf einem Flugplan. Auf dem Flugplan steht genau, wo das Flugzeug hinfliegen soll, um in Texas an zu kommen. Quasi welche „Straßen“ sie am Himmel entlang fliegen müssen. Ich habe auch den Sprit überprüft und durfte die Zahlen auf dem Flugplan schreiben. 

Sie gucken auch die ganze Zeit, wie sich das Wetter auf der Route ändert und ob evtl. Turbulenzen zu erwarten sind und wie stark die wären. Je nachdem ändern sie dann die Route, fliegen quasi auf eine andere Himmelsstraße. Der Funk wird auch die ganze Zeit verfolgt, sowohl von den Flughäfen, als auch von anderen Flugzeugen. Manchmal gibt es Turbulenzen, die nicht in der Karte eingezeichnet sind. Das erfährt man dann von den anderen Flugzeugen, die vor einem die Route entlang fliegen.

Das ist wichtig. Weil das Cockpit dann je nachdem die Kabinencrew informieren muss, wenn es starke Turbulenzen wären. Die müssen dann alle Trolleys und alles was in den Galleys rumsteht wegräumen und sichern. Wenn solche Dinge bei Turbulenzen durch die Gegend fliegen, dann kann das sehr gefährlich sein. 

Was die Piloten auch noch gemacht haben, ist unterwegs schauen wo man landen kann, wenn zum Beispiel jemand krank wird im Flugzeug. Die Piloten müssen überprüfen, ob die Landebahn lang genug ist zum landen und ob das Wetter schön ist. Das wusste ich auch nicht. Ich dachte immer ein Flugzeug kann auf jedem Flughafen landen. Stimmt aber nicht.

Wenn man mit einem großen Flugzeug unterwegs ist, dann ist es schon schwieriger einen passenden Ausweichflughafen zu finden. Sie müssen dann auf ganz viele Dinge achten.

Da muss die Landebahn lang genug sein. Es muss Gerät da sein um evtl. die Gäste aus dem Flugzeug aussteigen zu lassen. Es müssen spezielle Fahrzeuge und Gerätschaften da sein um das Flugzeug wieder zurück zu pushen usw. usw. 
Wenn man wegen eines medizinischen Notfalls landen muss, dann müssen sie auch überprüfen, ob überhaupt ein Krankenhaus in der Nähe ist. Es nützt ja nichts, wenn sie landen können, aber der Patient dann noch stundenlang durch die Gegend gefahren werden müsste. Dann nimmt man lieber einen anderen Flughafen. Das fand ich sehr interessant. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Die Piloten müssen aber an all diese Dinge denken.

Wenn man das nicht überprüft, kann es ganz doof laufen. Dann kann zwar das Flugzeug evtl. dort landen, kommt aber so schnell nicht mehr da weg. Pff, auf was man alles achten muss. Luisa, ich habe Keflavik ausgesucht und den Flughafen überprüft. Glücklicherweise ist niemand krank geworden und so konnten wir ohne Unterbrechung weiter nach Dallas fliegen.

Nach 6 Stunden Flugzeit war ich so müde, Luisa, dass ich im Flightkit eingeschlafen bin. Ich bin erst wieder aufgewacht als wir in Dallas angekommen sind. 
So ein Mist, ich habe mich ganz schön drüber geärgert. Da bin ich mal im Cockpit und dann verpenne ich den halben Flug. Es war aber auch so anstrengend und aufregend. Ich habe die Augen einfach nicht mehr offen halten können. 



Die Düsenmutti und ihre Kollegen haben mich mitgenommen in eine Brauerei, wo wir gemeinsam ein leckeres alkoholfreies Bier getrunken haben. Wir haben auch noch Chickenwings und Babyribs gegessen. Lecker! Die schmecken hier in Amerika so gut. Besonders in Texas. Es geht nichts über Texas Barbecue.


Nach dem Essen habe ich sehr gut geschlafen, Luisa. 

Am nächsten Tag wollte ich gerne einkaufen und habe mir für dich eine herrliche Wassermelone ausgesucht. 

Leider war die Wassermelone zu schwer zum tragen und ich konnte keine für dich mitnehmen, sorry. Irgendwie ist in Texas alles größer. Es ist schade, dass wir hier gerade mal 24 Stunden Aufenthalt haben, obwohl es so ein langer Flug ist.  Das war sehr kurz. Da kann man nicht wirklich viel machen. 





Am nächsten Tag sind wir wieder das ganze Stück zurück geflogen. Es war nachts und irgendwie bin ich wieder eingeschlafen. Anja hat mich dann auf einen der Businessclasssitze gelegt, damit ich es bequemer, als im Flightkit hatte.  Anja und ich haben uns super verstanden. Nach der Landung hat sie mich gefragt, ob ich noch Lust hätte mir zu ihr nach Hause in die Niederlande zu kommen. Klar!!! Da war ich ja auch noch nie.



Ich habe dann 2 Tage Urlaub bei Anja und ihrer Familie gemacht. Das war so schön. Fast so wie zu Hause. 

Mir fehlt unser Familienleben doch, das habe ich da gemerkt. Die Jungs haben mich sogar im Schwimmbad segeln lassen. Ich habe mich total gefreut! 

Zum Glück haben sie gut auf mich aufgepasst. Du weißt ja, mit dem Schwimmen habe ich es nicht so.  Es war 31 Grad, so warm! Und wir hatten eine tolle Zeit. Kannst du dir ja vorstellen. Die Jungs und ich haben nur Quatsch gemacht. 

Morgens habe ich ein leckeres, holländisches Frühstück bekommen. Es gab sogar die leckeren Streusel. Ich liebe die Dinger. 

Weißt du was Luisa, ich habe heimlich den Käse angeknabbert... Der sah so mega lecker aus und ich hatte so viel Appetit! Hoffentlich hat es keiner bemerkt. Von Mama hätte ich so richtig Ärger für so etwas bekommen.




Dann war mein Kurzurlaub auch leider schon wieder vorbei. So schade. Anja musste wieder Fliegen und wir zwei sind zur Basis nach Frankfurt.


Was ein Erlebnis, ich möchte jetzt selber auch Pilot werden! Es war so spannend und aufregend im Cockpit. Ich hoffe ich darf nochmal mit einem Piloten oder Pilotin mit. 

Ich habe noch so viele Fragen. Es ist unglaublich, was da alles passiert. Das kann ich gar nicht alles beim ersten Mal registrieren und verstehen.

Bis bald Luisa, pass auf dich auf,

dein Lu


© Anja Rentier & Anke Moessner 2015

Montag, 27. Juli 2015

Lu an der Copa, Copacabana.....





Liebe Luisa,
eine Düsenmutti hat mich doch tatsächlich mit nach Rio genommen. Kannst du dir das vorstellen?! Rio!!! Ich konnte es gar nicht fassen und war auch ganz unvorbereitet. So ohne Badehose nach Rio ist schon doof. 


Rio ist sehr weit weg. Wir sind 12 Stunden lang über den Atlantik geflogen. Ein ganz schön langer Flug und meine Düsenmutti war ganz schön müde, als wir morgens um 7, als die Stadt eigentlich erst so richtig wach wurde, im Hotel ankamen. 

Wir hatten einen so unbeschreiblich roten Sonnenaufgang, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Ich habe versucht dir ein Bild davon zu machen, Luisa, aber es ist ganz schön verwackelt, weil der Busfahrer so schnell gefahren ist. Dennoch bekommst du einen guten Eindruck davon, wie rot der Himmel war. Sieht das nicht unglaublich aus. 


Das Hotel liegt direkt an der Copacabana. Kannst du dich noch an die WM 2014 erinnern? Da war die große Fanmeile, die man immer im Fernsehen gesehen hat, direkt vor diesem Hotel. Ich habe es auf Anhieb wieder erkannt.

Meine Düsenmutti hat sich erst einmal ein paar Stunden hinlegen müssen. Als sie endlich wieder wach war, war sie topfit und wir haben, mit ein paar anderen Düsenmuttis und Vatis einen Ausflug zum Hippie-Markt in Ipanema gemacht. 


Hin sind wir zu sechst in einem Taxi gefahren. Das war sehr eng, wie du dir vorstellen kannst, aber auch sehr lustig. Aber pssst, sag das aber nu ja nicht Mama und Papa, das gibt sonst bestimmt Stress. Ich fand es cool.

Auf dem Markt gab es tolle Handwerksarbeiten und Schmuck. Da gab es handgearbeitete Schuhe, Taschen, aber auch wunderschön gemalte Bilder. Meine Düsenmutti hat ihren beiden Söhnen jeweils eine wunderschöne Lederkette gekauft.

Sonntags ist die Küstenstraße zwischen Ipanema und der Copacabana für Autos gesperrt. 
So hatten wir Glück und konnten ganz gemütlich die Strecke zum Hotel am Strand zurücklaufen. Das war ein schöner Spaziergang und es waren viele Menschen zu Fuß und mit Fahrrädern unterwegs.


Am Abend haben wir uns mit der restlichen Crew an einer Strandhütte getroffen. Alle paar Meter gibt es diese Hütten, wo man etwas trinken kann und kleinere Bands brasilianische Musik spielen. 


Das ist so schön, in dieser Wärme abends bei einer solchen Stimmung zu sitzen und Kokosnüsse zu schlürfen. 

Guck mal, das ist eine echte, frische Kokosnuss. Die werden dann ganz frisch aufgeschlagen und das Kokosnusswasser ist ganz erfrischend. So sieht das vor den Strandhütten aus. Jede Menge Kokosnüsse. Auweia, die möchte ich nicht jeden Tag da alle hin schleppen müssen. 


Am nächsten Morgen ist meine Düsenmutti ganz früh aufgestanden und eine Runde joggen gegangen.

 Mir war das viel zu früh, aber ich habe tolle Bilder von meiner Düsenmutti gesehen. Sie hat erzählt, dass ganz viele Menschen am Strand unterwegs waren, um Sport zu machen. 

Einige Menschen hatten sogar ihren eigenen persönlichen Trainer dabei. So viele Sportbegeisterte hat sie schon lange nicht gesehen. 


Ich habe dann mit den ganzen Düseneltern gefrühstückt und musste mich entscheiden, was ich machen möchte. Ich hatte die Wahl einen Ausflug zum Zuckerhut und Corcovado zu machen oder mit meiner Düsenmutti eine Segeltour. 

Weil ich mir diesen riesigen Jesus unbedingt anschauen wollte, habe ich mich entschieden, mit der Wandertruppe mit zu fahren. Meine Düsenmutti hat mir aber versprochen ganz viele Bilder von ihrer Bootstour zu machen, damit ich mich auf meine nächstes Mal Rio freuen kann ;). 


Der Weg dorthin war super schön. Tolle Landschaft, durch den Regenwald. 

Schau mal hier Luisa, ich dachte, das wäre eine tolle Wohnlage von Rio, aber das sind das Favelas. Dort wohnen die armen Leute, sie haben aber den schönsten Blick auf Rio. 


Mei, war das alles aufregend. Ich musste mit einer Seilbahn fahren und habe auf die ganz Stadt runtergeschaut. Ich glaube sogar, ich habe das Segelboot mit meiner Düsemutti gesehen. Auf jeden Fall habe ich ihr mal vorsichtshalber gewunken.


Ein bisschen mulmig war mir in der Seilbahn aber schon zu mute. Ist ein ganz komisches Gefühl so hoch mit einer Seilbahn zu fahren. Pfff, schon seltsam, im Flugzeug macht mir das nichts aus, aber in der Seilbahn hatte ich Fracksausen. 

Wir sind mit ihr auf den Zuckerhut gefahren. Das war ganz schön aufregend. Es passen bis zu 65 Personen in so eine Gondel, da kannst du dir bestimmt vorstellen, wie groß die sind. 
Von da oben hatte ich einen tollen Blick auf die Copacabana und auf den Corcovado. Das war unser nächstes Ziel.  



Kannst du die Seile der Seilbahn sehen? Jetzt sag doch mal, ist doch echt ein bisschen angsteinflössend, oder? Ich war auf jeden Fall froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. 

Mir fehlt vermutlich der Pilot in der Gondel. Bin nicht gewohnt in solche Höhen ohne Cockpit zu kommen. 


Und los ging es. Auf zum Corcovado. Der ist 710 m hoch und oben drauf thront die Christo Statue. Weißt du was Corcovado bedeutet? Der Bucklige. Haha. Ich glaube aber, die meinen den Berg und nicht die Christus Statue. 


Diese Jesusstatue ist sooooooo riesig, Luisa. Unfassbar. Sie heißt eigentlich Cristo Redentor und ist über 30 Meter hoch. Mit Sockel sogar über 36 Meter. Seit 1931 steht sie nun schon dort oben auf dem Corcovado. 


In ihrem Sockel ist eine kleine Kapelle, dort haben 150 Leute Platz. Die habe ich zuerst überhaupt nicht gesehen. Sie liegt versteckt auf der Rückseite der Statue.
 

Da oben auf dem Berg war unheimlich viel los. Schau dir an, wieviele Leute hier oben sind. Das ist der Wahnsinn. 

Ich hatte echt Angst, das ich meine Wandertruppe verlieren würde. Wir haben doch tatsächlich vergessen Fotos von mir dort zu machen. 

Also haben wir es auf dem Fuß des Corcovados für dich nachgeholt.
Auf dem Rückweg sind wir an einer ganz tollen Treppe vorbei gekommen. Sie heißt Escadaria Selaròn und wurde von Jorge Selaron als eine Art Liebeserklärung an das Brasilianische Volk gemacht. 

Er hat 1990 angefangen die nicht so schöne und triste Treppe, die an seinem Haus vorbei führte mit Fliesen in den brasilianischen Farben zu verzieren. 

In den Anfängen hat er Bilder verkauft um Fliesen kaufen zu können. Er hat sie auch überall im Stadtgebiet zusammen gesucht. Von Baustellen, Müll usw. Später fingen Leute aus aller Welt an ihm Fliesen mitzubringen und er hat sie in sein Kunstwerk eingearbeitet. 

Heraus gekommen ist am Ende ein farbenfrohes Kunstwerk bestehend aus 250 Stufen, auf 120 Meter Länge und über  2000 Fliesen aus über 60 Ländern. 

Es macht richtig Spaß die Stufen langsam hoch zu gehen und sich alles genau anzuschauen. 
Wenn man hoch schaut, sieht man eine farbenprächtige Treppe. Sie sprüht geradezu vor Lebensfreude und guter Laune. 


Wenn man oben angekommen ist und nach unten schaut, verwandelt sie sich fast in das Gegenteil.

Da ist sie eher trist und ein bisschen traurig. Fast so, wie die zwei Seiten des Lebens oder Rio's. Reich und schön oder traurig und arm.

Keine Ahnung, ob er das so beabsichtigt hat, aber auf mich hat es so gewirkt und das fand ich dann noch viel beeindruckender. Die zwei Seiten der Medaille.
Soviel Ausdruck mit einer Treppe zu vermitteln, das schafft auch nicht jeder. 

Du weißt ja durch die Geschichte aus Sao Paulo schon viel über Brasilien. Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Ganz lange war Rio die Hauptstadt Brasiliens, bis Brasilia Rio abgelöst hat. 

Neben dem Zuckerhut, der Jesusstatue und der Copacabana ist Rio vor allem bekannt für den Karneval. Dieser wird ein ganzes Jahr vorbereitet und ist wundervoll bunt und mit toller Musik unterlegt. Du hast bestimmt schon mal etwas davon im Fernsehen gesehen. Ich schau mir die Bilder immer sehr gerne an. Da bekommt man richtig Lust zu tanzen. 

Am Abend haben wir uns wieder alle in der Strandbude getroffen und haben von unseren tollen Erlebnissen erzählt. Die Stimmung ist so toll gewesen. Die Leute hier sind alle so fröhlich und die können vielleicht Tanzen. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Das reißt einen sofort mit. Da kann man gar nicht anders. Hier werde ich zum Tanzbär. 

Meine Düsenmutti hat mir wunderschöne Fotos von ihrem Tag in Rio gezeigt. Sie ist mit Kollegen auf einen Segeltörn gefahren. 

Das war auch wunderschön. Sie sind vor der Küste vor Rio entlang gesegelt. Haben die Natur, das Wasser und die Atmosphäre genossen und die Seele baumeln gelassen. 

Später hat der Kapitän des Segelschiffes sogar noch ein tolles Abendessen für sie zubereitet. Er hat auf dem Schiff gegrillt! Luisa, kannst du dir das vorstellen? Ich hätte Angst das Schiff abzufackeln. Das war auch ein toller Tag. Das nächste mal, möchte ich das auf jeden Fall auch ausprobieren. Es sieht auf den Fotos wunderschön aus. 



Am Abend durfte ich noch einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen. Was für ein traumhafter Ausklang meines Rio Abenteuers. 

Ach Luisa, was ich alles Tolles erleben darf. Ich bin so glücklich. 


Bis bald liebe Luisa,

dein Lu



©Valjbona Braimi & Anke Mössner 2015




Montag, 29. Juni 2015

Welcome to Miami!


Aber bevor es soweit ist, steht noch eine ganze Menge Arbeit an...
Ich durfte mit meiner Düsenmutti Katja in den Purser Briefingraum.  

Dort bereiten sich die fliegenden Purser-Muttis (und natürlich alle anderen) auf ihren Flug vor. Man erfährt am Computer, wie viele Passagiere mitfliegen und wie lange der Flug dauert.

Und ob es Gäste gibt, um die man sich besonders kümmern muss. Wie zum Beispiel Kinder, die alleine, ganz ohne Mama und Papa durch die Gegend fliegen!

Sie besuchen Oma und Opa oder reisen zu ihren Familien nach Hause. Stell dir das mal vor, Luisa! Alleine in so einem großen Flugzeug! Aber die Kinder machen das ganz prima, hat mir meine Düsenmutti erzählt. Und die Flugbegleiter kümmern sich auch immer ganz lieb um sie. So wie sie sich immer um mich kümmern, hihi...

Nachdem wir das alles erledigt hatten, haben wir uns noch ein kleines Frühstück gegönnt. Denn bevor man im Flugzeug die Zeit findet, etwas zu essen, kann einem der Magen schon mal in der (Bären-)Kniekehle hängen! 

Nach dem Briefing der gesamten Crew - alle Flugbegleiter und die Piloten treffen sich und bereden noch einmal gemeinsam den Flug – sind wir mit einem Bus zum Flugzeug gefahren.

Zur Sicherheit tragen alle eine gelbe Warnweste, damit man immer gesehen wird und es zu keinem Unfall kommt. Leider habe ich noch keine Weste und so habe ich mich ganz eng an meine Düsenmama gekuschelt. 

Am Flugzeug angekommen stellen alle Crewmitglieder ihre Koffer ab und gehen an Bord. Schau mal Luisa, wie viele Koffer das sind!     


Während die Flugbegleiter ihre Arbeitsplätze vorbereiteten, habe ich es mir noch ein wenig bequem gemacht und mir die Business Klasse angeschaut. Schön kuschelig hier!   
                                                 
Ich durfte mich auch während des Fluges dort ein wenig ausruhen, denn der Flug hat lange 11 Stunden gedauert. Da kann man schon mal müde werden...

Nachdem wir dann endlich im Hotel angekommen sind, habe ich es nur noch geschafft, aus dem Fenster zu sehen und den Pool zu bewundern und dann bin ich ins Bett gekippt, denn es war schon 5Uhr früh in Deutschland! Die Zeitverschiebung haut mich jedes Mal von den Tatzen! 

Am nächsten Morgen wurde ich von der Sonne geweckt. Ich konnte vom Zimmer aus ganz weit aufs Meer schauen und links und rechts den Strand hinunter. Wie schön, gell?!
                                                                                          
Aber auf einmal hat mich etwas ganz dolle angeknurrt! Ich habe ganz erschrocken meine Düsenmama angeschaut und stell dir vor, sie hat nur gelacht! Sie wusste nämlich ganz genau, was das Knurren war: Mein Magen!

Mann, hatte ich einen Bärenhunger! Also auf zum Frühstücksbuffet... Nach dem riesigen Frühstück sind wir am Strand spazieren gegangen.

Schau mal, Luisa, es kann ganz schön gefährlich sein, sich in die Fluten zu stürzen... Die Wellen hier am Strand können sehr hoch sein und dich ganz schnell ins Meer ziehen.  Du kennst mich ja, ich bin kein Seebär. 

Deshalb bin ich, nachdem ich das gelesen habe, lieber am Strand geblieben und habe mir die Zeit mit Muscheln suchen vertrieben...  

Guck mal, ich habe ja wohl die coolste Liege der Welt, oder? Das Herz ist nur für dich, damit du deinen ollen Bärenbruder nicht vergisst. 
                                  
Zwischendurch habe ich die Tatzen mal ins Wasser gehalten...Brrrrr.... viel zu kalt zum Baden!                                                                                 


Nachdem wir uns noch ein bisschen am Pool aufgehalten haben und viel Sonne getankt haben, ging es auch schon wieder nach Hause.

Das war nur ein kleiner Aufenthalt und mir taten ganz schön dolle die Knochen weh!


Auch hier hat uns wieder ein Crewbus abgeholt und vom Hotel zum Flughafen gebracht. Das ist immer ganz praktisch und so kommt die Crew auch immer pünktlich zum Flughafen.                                                                                                                                                                                             Damit ich nicht verloren gehe, aber trotzdem alles sehen kann, was am Flughafen so passiert wurde ich unter den Griff der Handtasche geklemmt und los ging ́s.
                                           

Am Flugzeug angekommen, durfte ich mit dem Kapitän den sogenannten Outside Check machen. 

Wir haben das Flugzeug von außen untersucht, ob alles in Ordnung und ganz ist, zum Beispiel am Fahrwerk. Und dann hat der Kapitän mich in ein Triebwerk gesetzt – sieh nur, wie groooß das ist. 

Guck mal wie klein ich im Triebwerk aussehe!


Danach durfte ich im Cockpit noch ein wenig bei der Arbeit zuschauen. Hier studiere ich gerade den Flugplan. Darauf erkennt man den Weg, der geflogen wird und vor allem die Flugzeit und das Wetter unterwegs.

Leider war das Wetter auf dem Rückweg nicht so schön und ein doller Wind hat das Flugzeug ordentlich durchgeschüttelt. 

Meine Düsenmama war ganz grün im Gesicht und hatte dann auch keine Lust mehr Fotos zu machen. Mir war auch ganz flau im Magen und ich war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. 

Aber trotzdem hatte ich eine Menge Spaß auf diesem Flug und ich freue mich schon auf meine nächste Reise und darauf, dir davon zu berichten! 

dein Lu


© Katja Grabe-Michel & Anke Mössner 2015

Dienstag, 9. Juni 2015

Auch Flugbegleiter müssen zur Schule


Liebe Luisa,
heute ist ein wichtiger Tag. Wusstest du, dass Flugbegleiter jedes Jahr ganz viele Tests machen müssen, damit sie überhaupt Fliegen dürfen? 

Jetzt bin ich schon 3 Monate mit ihnen unterwegs, aber das wusste ich nicht. Jedes Jahr muss jeder aktive Flugbegleiter mehrfach ins Schulungszentrum und dort seine Lizenzen erneuern. 

Wenn man Vollzeit fliegt, dann hat man max. 3 verschiedene Flugzeugmuster für die man sozusagen einen Führerschein bzw. Lizenz machen muss. Die ist ganz wichtig und darf nicht verfallen. Sie muss jedes Jahr mit einem Test aufgefrischt werden. Da wird dann in einem schriftlichen Test die Theorie für das Muster geprüft und in einem praktischen Test viele andere Dinge. Ich habe immer gedacht ein Flugbegleiter darf in jedem Flugzeug arbeiten. 

Diese Tests sind vom Luftfahrtbundesamt vorgeschrieben. Wenn man sie nicht besteht, dann darf man dieses Muster erstmal nicht mehr fliegen und im schlimmsten Fall kann man sogar seinen Job verlieren. So streng und wichtig ist das. 
Die Flugbegleiter müssen also jedes Jahr die Lizenzen für ihre Flugzeugmuster erneuern und dann noch viele anderen Lizenzen. Erste-Hilfe-Lizenz um jemanden, dem es auf einem Flug nicht gut geht helfen zu können. Fire Fighting, um ein Feuer in kürzester Zeit unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Dangerous Goods, das sind gefährliche Güter. Wenn z.B, ein Akku von einem Smartphone oder Laptop brennt oder eine gefährliche Flüssigkeit ausläuft. Medizinischer Check-Up. Ja, sie müssen jedes Jahr zum Fliegerarzt und werden dort ganz genau untersucht, ob sie fit genug sind, diesen Job machen zu können. Dafür muss man aber auch fit sein.

Immer wieder wird das geübt und getestet, damit man im Falle eines Falles schnell und richtig reagiert. Im Flugzeug zählt jede Sekunde. Die Flugbegleiter sind nämlich eigentlich für die Sicherheit in einem Flugzeug da. 

Sie müssen ein vollbesetztes Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden über die Hälfte der verfügbaren Notausgänge evakuieren können. Sie müssen Feuer löschen können, Erste Hilfe leisten, Streits schlichten, Gefahrgüter richtig behandeln und noch so viel mehr. Puh, mir raucht ganz schön der Kopf, bei so viel Information.
 
Da muss jeder Handgriff und jedes Kommando sitzen. Sie müssen genau wissen, wo die verschiedenen Teile die zur Notausrüstung gehören in einem Flugzeug verstaut sind. Wie die Kommandos und die Handhabung der Türen im Normal- und im Notfall sind. Puhhh, ich dachte immer das wäre ein easy Job, von wegen. 

Sie haben dafür verschiedene dicke Ordner, wo alles drinsteht und womit sie für die Prüfungen lernen. Jedes Jahr ändern sich viele Dinge in den Unterlagen und das müssen sie alles wissen. 
Heute fahren wir nach Frankfurt. Wir fahren mit dem ICE hin, weil meine Düsenmutti nicht in Frankfurt wohnt. 

Ui, der ist ja fast so schnell, wie ein Flugzeug beim Starten. Wir sind viel schneller als die Autos auf der Autobahn. Cool. Über 300 km/h. Da hat man Druck auf den Ohren, wie im Flugzeug. 

Diesmal geht es allerdings nicht auf die Basis, wo ich sonst immer bin. Wir fahren mit dem Bus zum LFTC. Das ist das Lufthansa Trainings Center, wo man das alles lernt und wo geprüft wird. Wow, ein riesiges Gebäude mit ganz vielen Klassenräumen und Hallen.

Hier werden auch die neuen Flugbegleiter ausgebildet. 

Es gibt Räume da stehen nachgebaute Flugzeuge drin und dort kann man die Servicesachen trainieren, Klassenräume wo alles gelernt wird, Spezialräume wo man z.B. Feuerlöschen üben muss, Computerräume wo ganz viele Computer drin sind an denen ebenfalls gelernt wird und dann gibt es noch die Mockup Halle. 

So, jetzt aber erst ein Mal den richtigen Raum finden. Nur nicht zu spät kommen!

Zuerst müssen wir in einem Vorraum warten, dort kommt uns dann der Trainer abholen und dann geht es so richtig los. Ich bin so aufgeregt. 

Ui, das ist Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie gesehen. Hier sind alle Flugzeugtypen als Simulator nachgebaut. Das ist eine riesige Halle hier. Boah!

Von innen sehen sie aus wie ein richtiges Flugzeug und der Trainer kann über den Computer die verschiedensten Situationen nachstellen. Also z.B. Feuer im Flugzeug, eine Notlandung an Land oder Wasser und vieles mehr. Die Fenster sind Monitore, die dann bildhaft die Situation darstellen. Z.B. Feuer vor dem Flugzeug oder Wasser.
  
Der Trainer bestimmt, wer an welcher Flugzeugtür sitzt und dann geht der Test los. Jeder muss jede Türe immer beherrschen, obwohl es da Unterschiede gibt, wie man an bestimmten Türen reagieren muss. Das muss man alles wissen und unter Stress auch richtig machen. Wahnsinnig anstrengend. Bin ich froh, dass ich nicht getestet werde.

Der Simulator reagiert dann fast so, wie in echt. Es rumpelt, wackelt und kracht, fast wie in der Achterbahn. Die Kabine ist verraucht und dunkel usw. Ganz schön unheimlich und dann müssen die Flugbegleiter immer richtig reagieren und das Richtige tun. 

Bei einer Evakuierung ist es dann ganz schön laut! Es werden Kommandos gebrüllt und man muss so schnell wie möglich das Flugzeug verlassen. Da durfte ich sogar einmal auf der Notrutsche rutschen. Auf dem Spielplatz mach mir das aber mehr Spaß. 
Was für ein aufregender Tag! Soviel neue Sachen, die ich gelernt und gesehen habe.  Da können die lieben und immer lächelnden Flugbegleiter auch mal ganz anders sein. Da ist Schluss mit lustig. Das muss aber so sein, damit alle gerettet werden können. Da herrscht ein Ton, wie in der Kaserne. Unglaublich beeindruckend. 

Ich wusste überhaupt nicht, dass ein Flugbegleiter so viel können muss. Auf manchen Flügen habe ich ja schon mal mitbekommen, wenn es jemanden nicht gut ging, dass sie Erste Hilfe ausüben mussten. Dass da aber noch so viele andere Dinge sind wusste ich wirklich nicht.

Sie müssen auch ganz schnell handeln, wenn an Bord ein Feuer ausbricht. Das ist ganz gefährlich. Man kann ja nicht mal eben landen. 

Da müssen sie dann sehr schnell und richtig handeln. Sehr aufregend. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wirklich niemand an Bord raucht. Das gibt richtig Ärger für denjenigen. Es ist zwar verboten, aber leider kommt es manchmal noch vor. 

Es werden auch noch andere Aufgaben im praktischen Test geübt und abgefragt. Irgendwann geht es dann zurück in den Lehrsaal. Da werden dann auch noch Dinge besprochen die sich evtl. geändert habe in dem Jahr und am Ende wird ein Test geschrieben. Und wenn man alles bestanden hat, dann hat man es wieder die Lizenz für ein Jahr.

Das ganze macht man dann ein paarmal im Jahr. Man muss auch immer regelmäßig auf dem Flugzeugtyp z.B. auf der 747 fliegen. Wenn man zu lange ein Muster nicht geflogen ist, verfällt die Lizenz auch. Puh, ganz schön viele Test und Dinge wo man drauf achten muss. 
Ich sehe den Beruf jetzt mit ganz anderen Augen. Sie müssen da oben in der Luft so viele verschiedene Jobs auf einmal können. Man kann ja nicht mal schnell jemanden anrufen und zur Hilfe holen. Da drüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Sie sind Feuerwehrmann, Krankenschwester, Koch, Servicekraft, Psychologe, Streitschlichter, Babysitter, Touristenführer und viele mehr. Gar nicht so ohne!


Jetzt fahren wir erst mal wieder zurück. Ich bin fix und fertig. Das ist ja fast noch anstrengender und aufregender als ein Langstreckenflug. 



Liebe Grüße vom sehr nachdenklichen
Lu
©Anke Mössner 2015